Montag, 4. Juni 2007

Chapter 6


Jon wischte sich über die Augen. Sie waren feucht. Der Schmerz tobte genauso stark in ihm wie damals, als sich die Tür hinter ihr geschlossen hatte. Er war unfähig gewesen zu handeln. Die ganze Nacht hatte er wach gelegen, vor sich hingestarrt. Er hatte sich selbst verflucht dafür, daß er ihr nicht einfach die gewünschten Worte gesagt hatte. Was war schon dabei, ob es die Wahrheit gewesen wäre oder nicht, solange es sie beruhigt hätte! Im gleichen Moment war ihm der Gedanke auch schon zu wider gewesen! Lügen waren ein schlechter Grundstein und er hatte es immer verabscheut!
Er erinnerte sich daran, daß er sich jeden Gedanken an Trisha verboten hatte! Erreicht hatte er es nur, da er sich viel zu oft und wahllos mit Alkohol zugeschüttet hatte. Die letzten Shows waren eine Tortur gewesen. Die Stimmung innerhalb der Band war auf dem Tiefstpunkt angelangt, seine Stimme war kaputt und er klang wie ein rostiger Eimer. Die körperliche Erschöpfung war so groß geworden, daß er völlig abstumpfte. Als die letzten Akkorde, der letzte Applaus verklungen war, wollte er nur noch weg von allem! Keiner sagte dem anderen Goodbye, alle strebten in verschiedene Richtungen, in unterschiedliche Leben. Die ersten Wochen zuhause waren von Erschöpfung und gleichzeitig Rastlosigkeit geprägt gewesen. Erst nach Wochen nahm er wahr, daß Trisha ihre Sachen aus seinem Haus geholt hatte. Im Gegenzug hatte sie seine Sachen in einer Kiste mitten in die Garage gestellt. Ihren Hausschlüssel hatte sie seinen Eltern gebracht, wie er erfuhr. Seine Mutter hatte besorgt gefragt was geschehen war und er versuchte eine Erklärung zu geben. An der Miene seiner Mum hatte er erkannt, daß es ihm nicht gut gelungen war! So nach und nach wurde er sich einiger Dinge klar und damit fingen seine Qualen auch erst richtig an. Er vermisste Trisha! Sehnte sich danach, ihr fröhliches Lachen zu hören! Wie hatte er ihr nur so weh tun können! Warum hatte er gemeint, ohne sein wildes Rockstarleben nicht auskommen zu können? Was wäre schon passiert, wenn er diese bedeutungslosen One-Night-Stands aufgegeben hätte? Er hätte eine Frau an seiner Seite haben können, die ihn wirklich liebte und die sich um ihn sorgte! Die es nicht auf seinen Ruhm, sein Geld, seine Connections abgesehen hatte! Die es einfach nur ehrlich mit ihm meinte und nicht mehr von ihm forderte, als geliebt zu werden! Trisha hatte vollkommen recht gehabt mit ihrer Einschätzung! Lieber hatte er seinem Cowboy-Leben frönen wollen, als erwachsen zu werden. Zu sehr hatte er diesen kindischen Träumen nach gehangen, nicht geglaubt, daß Zeiten kommen würden, wo ihn dies alles langweilen würde! Gott, was war er nur für ein verbohrtes, selbstsüchtiges Arschloch gewesen! Natürlich liebte er Trisha! Wer hätte dieses wunderbare Geschöpf mit den roten Haaren und den faszinierenden grünen Augen auch nicht lieben können! Doch jetzt war es zu spät! Er glaubte nicht, daß Trisha ihm nach so langer Zeit noch eine Chance geben würde! Außerdem schämte er sich seines Verhaltens zu tiefst, war der Meinung, daß er es nicht besser verdient hatte!
Er brauchte lange, um einigermaßen ins Leben zurück zu finden. Der Schmerz ließ nur langsam nach, aber er schwand. Die Arbeit am „Young Guns“-Album half ihm dabei. Er hatte das Angebot auch deswegen angenommen, weil er das Bedürfnis hatte sich von seiner kindischen Cowboy-Mentalität zu verabschieden. Er war kein Cowboy mehr, der in Städte ein ritt, sich die Frauen und das Geld schnappte und weiter zog! Blödsinn!
Immer wieder hatte er Tage erlebt, wo er an Trisha dachte, sie schmerzlich vermisste. Meistens hatte er sich dann betrunken. Erstaunlicherweise sah er sie nie irgendwo auf der Straße, obwohl sie nicht weit weg wohnte und arbeitete. Instinktiv schienen sie beide die Orte mit gemeinsamen Erinnerungen zu meiden. Einige Freunde von ihm berichteten ihm, daß sie sie manchmal von weitem sahen. Aber nie konnte ihm jemand sagen, ob es ihr gut ging! Er selbst hatte nicht den Mut, dies in Erfahrung zu bringen!

Und jetzt kündigte sie also ihre Heirat für den nächsten Tag an! Stürzte ihn mit einem Schlag zurück in die Vergangenheit, ließ ihn den Schmerz und sein Versagen noch einmal fühlen! Ob sie wusste, was sie ihm damit an tat? Wohl kaum! Er hatte sie ja gehen lassen, ihr nicht gesagt, daß er sie liebte. Sie musste glauben, daß sie ihm nie etwas bedeutet hatte! Dieser Gedanke piesackte ihn, ließ ihn unruhig durch das Haus wandern, auch jetzt spät in der Nacht noch! Ob er am nächsten Tag in die Kirche gehen sollte? Quatsch, welche Braut wollte schon ihren Exfreund am schönsten Tag ihres Lebens sehen? Und doch hatte er das dringende Bedürfnis, ihr zu zeigen, daß er ihre Entscheidung akzeptierte. Wenn sie die Liebe, die sie sich wünschte, von einem anderen bekam, dann freute er sich für sie. Über all seinen Erinnerungen war ihm dies klar geworden! Auch wenn er noch immer Gefühle für sie hegte, so musste er sie für sich behalten. Er hatte seine Chance gehabt und sie sinnlos weg geworfen. Grübelnd schlich er durchs Haus und landete schließlich an seinem Flügel. In Gedanken versunken klimperte er darauf herum. Eine halbe Stunde später hatte er bereits einige Zeilen geschrieben. Kritisch las er sie immer und immer wieder durch. Kein Zweifel, daraus ließ sich ein Song machen! Ein Song, der alles ausdrückte, was er ihr gerne sagen wollte und wozu er früher keinen Mut gehabt hatte! Eifrig machte er sich ans Werk, legte all sein Herzblut hinein. Es war seine große Chance, die Vergangenheit endlich abzuschließen und ohne Ballast in die Zukunft zu blicken!

Trisha setzte sich mit dem Stapel Post zurück an den Frühstückstisch. Sie waren am Vorabend erst aus den Flitterwochen zurück gekommen und Matt arbeitete bereits wieder. Zum Glück hatte sie noch zwei Tage frei, um all die Glückwunschkarten zu beantworten! Etwas gelangweilt blätterte sie die Umschläge durch. An einem kleinen Päckchen blieb ihr Blick hängen. Die Schrift kam ihr bekannt, merkwürdig vertraut vor! Neugierig riß sie das Päckchen auf und hielt wenig später ein Tape und einen Brief in der Hand. Sie ahnte bereits von wem der Umschlag stammte und öffnete den Briefbogen.

Liebe Trish,
Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute! Ich habe lange überlegt, ob ich mich melden soll, aber es war mir zu wichtig, Dir noch ein paar Dinge zu sagen. Leider hatte ich früher nicht den Mut dazu! Ich hoffe, Du hast mir verzeihen können! Ansonsten hoffe ich, daß Dir das Tape dabei helfen kann! Bitte höre es Dir in Ruhe an! Ich wünsche mir nichts mehr, als das Du glücklich bist und auch immer mit Deinem Mann sein wirst!
Lebe wohl!
Dein Cowboy

Trishas Hände zitterten leicht und in ihrem Hals steckte ein Kloß. Sie versuchte tief durch zu atmen, was ihr nur schwer gelang. Es kam ihr so vor, als wäre es erst gestern gewesen, daß sie ihn zuletzt gesehen hatte. Erinnerungen brachen über sie herein, gegen die sie sich nicht gut wehren konnte. Die sie einerseits lächeln ließen und auf der anderen Seite auch traurig machten. Hastig stand sie mit dem Tape in der Hand auf und eilte ins Wohnzimmer zur Stereoanlage. Sie legte das Band ein und drückte auf „Play“.

Today you'll pick up all the pieces
And get on with your life
All I can hope is that you're happy
'Cause today you're someone elses wife
Right now I wish that I could turn back
And beg the hands of time
For the days that I remember (oh baby)
The days when you were mine
And if I never said I love you
It's cause the words got in the way

Now all I do is say I'm sorry
Sorry I missed your wedding day

I'll bet you looked good at the altar
I'll bet he knew the words to say
And the angels smiled when you walked down the aisle
You both knelt down to pray
As he put his ring on your finger
I know there's just one thing left to say

All I can do is say I'm sorry
Sorry I missed your wedding day

You won't be walking through the door anymore
You won't be sleeping in this bed anymore
Tho' I swear I see your shadow waltz accross my floor
And I don't know if I can take it
Should we ever meet again
Cause I know that we'll be strangers
When he introduces friends

I tried to make it to the church now baby
A broken heart got in the way

All I can do is tell you I'm sorry
Sorry I missed your wedding day

I really hope you're happy baby
Tho' it's killing me to say
All I can do is say I'm sorry
Sorry I missed you're wedding day

Als Jons weiche Stimme endete, liefen Tränen über ihre Wangen. Sie hatte jedes Wort wie ein Schwamm in sich aufgesaugt. Sie hatten sich direkt in ihr Herz eingebrannt! Genau da, wo auch immer ein Fleckchen für Jon reserviert sein würde. All die traurigen Erinnerungen und die verletzten Gefühle lösten sich in Luft auf und machten ein wenig Heiterkeit Platz. Definitiv war Jons Song das schönste Hochzeitsgeschenk, das sie bekommen hatte! Sie würde ihn niemals vergessen, aber sie musste nun nicht mit Bitterkeit an ihn denken! Es hatte nicht sein sollen und sie bedauerte es auch nicht mehr. In Matt hatte sie einen Partner gefunden, der ihr all das geben konnte, was sie sich immer gewünscht hatte!
Sie nahm das Tape aus der Anlage und steckte es zusammen mit dem Brief in den Umschlag zurück. Sie trug den Umschlag hinauf in ihr Schlafzimmer und holte eine kleine Kiste unter ihrem Bett hervor. Fast andächtig öffnete sie ihre kleine, persönliche Schatztruhe, in der sie all die Dinge aufbewahrte, die ihr wichtig waren und die sie niemals weg werfen würde. Sie hob den Umschlag an ihre Lippen und drückte einen leichten Kuß darauf, bevor sie ihn behutsam in die Kiste legte.
„Leb wohl, Cowboy!“ flüsterte sie.


The End!!!


Chapter 5


Sobald er wieder auf Tour war hatte er dieses Gespräch auch schon vergessen. Doch es kam ihm schneller wieder in den Sinn, als ihm lieb war! Sie checkten eben im Hotel ein und warteten auf den Aufzug, als Richie ihm den Ellbogen in die Seite stieß.
„Hey, du hättest ja was sagen können, daß Trish heute kommt!“
Jon fuhr erschrocken herum und blickte in die Richtung, in die Richie zeigte. Tatsächlich, da kam so eben seine Freundin zur Tür herein!
„Rich, ich hatte keine Ahnung, du Trottel! Fuck!“ zischte er seinem Freund zu. Schon hatte ihn Trish erblickt und eilte auf ihn zu. Sie strahlte über das ganze Gesicht, ließ ihre Tasche fallen und sprang ihn förmlich an.
„Überraschung, Cowboy! Freust du dich? Ich kann zwei Tage bleiben!“
„Hi Kleines! Schön!“ erwiderte er und hörte selbst, daß es ein wenig lahm klang. Hastig küsste er Trisha und kurz darauf fuhren sie zusammen im Aufzug zu seinem Zimmer hinauf. Richie zwinkerte ihm belustigt zu, als sie ausstiegen. Trisha war diesmal noch anhänglicher als sonst. Wenn sie unterwegs waren, dann ließ sie kaum seine Hand los. Ständig hing sie an ihm und es ging ihm etwas auf die Nerven. Doch er brachte es nicht übers Herz sie zu enttäuschen. Er fand es ja auch ganz nett, daß sie da war! Er brachte sie sogar zwei Tage später zum Flughafen, worüber sie sich sehr freute. Zum Abschied drückte sie sich fest in seine Arme.
„Cowboy, ich werde dich vermissen! Es wird Zeit, daß die Tour zu Ende geht! Ich hasse es langsam, mich ständig verabschieden zu müssen!“ murmelte sie bedrückt an seiner Schulter.
„Nur noch 3 Monate, Trish!“ erwiderte er trocken und küsste sie auf die Wange.
Ihr Griff wurde fester und er sah wie Tränen in ihre Augen traten.
„Das ist viel zu lange! Es ist einsam ohne dich!“ schniefte sie und dicke Tränen rollten nun über ihre Wangen.
Jon seufzte tief und wischte über ihre Wange.
„Du schaffst das, Kleines! Jetzt musst du aber gehen, bevor die Maschine weg ist! Bis bald, Trish!“ Er küsste sie zärtlich und schob sie sanft von sich.
Trish nickte mit betrübter Miene und warf ihm im Weggehen eine Kusshand zu. Jon wandte sich zügig ab und ging davon. Diese Gefühlsduseleien verursachten Unwohlsein in ihm und er musste dem entfliehen.
Diesmal verflog das ungute Gefühl des Abschieds nicht so schnell. Es kam ihm immer wieder in den Sinn und er unternahm einige Anstrengungen, um es zu unterdrücken. Es gipfelte darin, daß er sich noch heftiger in das Partyleben stürzte und kaum noch eine Nacht verging, die er allein verbrachte. Inzwischen fürchtete er schon fast Trishas Anrufe und oft ging er gar nicht erst ans Telefon, wenn es nachts klingelte. Es erleichterte sein Gewissen zwar nicht gerade, aber er konnte nicht anders. Auf Diskussionen hatte er keine Lust!

Vier Wochen später flog Trisha erneut für ein paar Tage ein. Jon bemerkte schon am Flughafen, daß sie sehr ruhig war. Sie schien unter Anspannung zu stehen, auch wenn er sich nicht erklären konnte warum. Es blieb auch nicht viel Zeit darüber nach zu denken, denn sie mussten auf direktem Weg ins Stadion, um rechtzeitig auf der Bühne zu stehen. Wie immer sah Trisha von der Seite aus zu und er zwinkerte ihr mehrmals am Abend zu. Er sah sie sanft lächeln und es tat ihm enorm gut. Auf eine einfache Weise nahm es ihm ein wenig seiner Erschöpfung, die inzwischen übermächtig geworden war. Direkt nach der Show ließ er sich zusammen mit Trisha ins Hotel fahren. Ihm war nicht nach Party, vielmehr hatte er ein Bedürfnis nach Nähe. Nach Trishas Nähe! Sie schien es zu spüren, denn sie waren kaum in ihrem Zimmer, als sie ihn in die Arme nahm und auszuziehen begann. Jon schloß die Augen, überließ sich ihren zärtlichen Händen. Er fühlte Wärme, Geborgenheit, als sie ihn langsam und liebevoll liebte. Er schmiegte sich an ihren schmalen Körper und sog den vertrauten Duft in die Nase. Trisha streichelte leicht über seinen Rücken und küsste ihn von Zeit zu Zeit. Nach einiger Zeit stand er auf, um sich etwas zu trinken zu holen.
„Möchtest du auch ein Bier, Kleines?“ fragte er vor dem Kühlschrank stehend.
„Hm. Bring auch die Zigaretten mit!“ antwortete sie leise.
Mit Bier und Kippen kam er zurück ins Bett und lehnte sich entspannt zurück. Trisha saß am Fußende des Bettes und sah ihn gedankenverloren an.
„Spuck schon aus, was durch dein hübsches Köpfchen geht!“ neckte er sie lächelnd.
Sie blickte nur kurz auf, zupfte fahrig an der Bettdecke herum.
„Jon, ich halte das so nicht mehr aus! Ich kann mit der Ungewissheit nicht mehr länger leben! Ich muß wissen wohin unser Weg führt!“ platzte sie unvermittelt hervor.
Jon riß überrascht die Augen auf.
„Wovon redest du, Trish?“
„Stell dich doch nicht blöd, Jon! Du weißt genau was ich meine! Wir sind jetzt seit fast 1 ½ Jahren zusammen und noch immer bin ich mir nicht sicher, was daraus werden soll! Was wird sein, wenn die Tour zu Ende ist? Werden wir weiterhin in getrennten Häusern leben? Sag mir, wie du dir unsere Beziehung vorstellst!“ Ihre Stimme klang energisch und sie fuchtelte aufgeregt mit der Hand herum.
Jon hatte das Gefühl im Schraubstock zu stecken. Das Atmen fiel ihm plötzlich schwer.
„Hey, ich hab mir keine Gedanken darüber gemacht! Warum auch? Es läuft doch prima, so wie es ist! Ich kann dir nicht sagen, was ich nach der Tour machen werde! Es wird eine längere Pause geben und dann werden wir sehen wie es weiter geht. Ich bin am Ende meiner Kräfte und auch die Jungs haben keinen Bock mehr. Im Moment kommt mir die Zukunft wie ein großes, schwarzes Loch vor! Trish, ich weiß nicht was du hören willst!“ stieß er hervor.
„Ich möchte einfach von dir hören, daß du mit mir zusammen sein möchtest! Nicht nur für die nächsten Tage, sondern länger! Sag mir einfach mal, ob ich dir noch etwas bedeute, oder ob dir scheißegal ist wie es mir geht! Hast du dir jemals Gedanken darüber gedacht, was ich für Wünsche und Träume habe?“ fauchte sie ihn aufgebracht an.
Auch in Jon kochte der Ärger hoch.
„Natürlich möchte ich mit dir zusammen sein! Woher soll ich wissen was du denkst, wenn du es mir nicht sagst? Trish, von den 1 ½ Jahren war ich zwölf Monate unterwegs! Ein bisschen wenig Zeit, um sich so genau zu kennen, daß man alles weiß! Erzähl mir was du dir wünscht, ich höre zu!“ forderte er sie auf.
Trisha fuhr sich durch die lange Mähne, sah ihn aber nicht an.
„Du machst es dir zu leicht, Jon! So läuft das in einer Beziehung nicht! Man kennt die Wünsche des Anderen, wenn man ihn liebt!“ erwiderte sie leise.
In Jon brannte eine Sicherung durch. Er sprang auf und blieb vor ihr stehen.
„Wer sagt, daß es hier um Liebe geht?“ schrie er sie an. Er sah wie sie zusammen zuckte, den Kopf langsam hob. Ihre grünen Augen schwammen in Tränen.
„Das ist also der Punkt! Klar, wie kann ich so vermessen sein zu glauben, daß du mich liebst! Du bist ja immer so schön vage! Nur keine Beweise hinterlassen, die man dir zur Last legen könnte! Als wüsste ich nicht zu genau, daß du mir nie eine Liebeserklärung gemacht hast! Du bist erbärmlich, Jon!“ spie sie ihm ins Gesicht.
Jon wurde schlagartig ruhig, in seinem Inneren wurde es kalt. Trish hatte einen ganz wunden Punkt getroffen! Ihm wurde klar, daß er genau diese Situation seit Monaten befürchtet hatte!
„Warum machst du alles kaputt, Trisha? Was ist so wichtig an drei kleinen Worten? Ist es nicht mehr wichtig, daß wir eine schöne Zeit miteinander hatten und immer noch haben können?“
Trish stand nun ebenfalls auf, ging zu ihren Klamotten und streifte ihr T-Shirt über, bevor sie ihm antwortete.
„Und ein weiteres Mal suchst du nach Ausflüchten! Mir sind diese Worte nun mal wichtig! Ich kann nicht mehr länger mit dir zusammen sein, wenn du mich nicht liebst! Ich wünsche mir Familie, Jon! Ich will Kinder haben bevor ich 30 bin und nicht erst in ein paar Jahren! Und allem voran möchte ich einen Partner haben, der ehrlich zu mir ist! Einen, der nicht davon läuft, wenn er Verantwortung übernehmen soll! Du bist doch seit Jahren nur auf der Flucht und nimmst jede Gelegenheit wahr, um nicht erwachsen werden zu müssen! Du kannst einem schon fast leid tun, Jon! Leb dein Cowboy-Leben weiter, aber wundere dich nicht, wenn du irgendwann alleine da stehst, weil du auf das falsche Pferd gesetzt hast!“
Trisha hatte ruhig und überlegt gesprochen und gerade das traf ihn tief. Er drehte ihr den Rücken zu, weil er nicht wusste was er darauf sagen sollte. Er hörte sie durch das Zimmer gehen, in ihrem Koffer kramen. Die Luft zwischen ihnen vibrierte, aber er war nicht in der Lage es zu ändern. Vor seinem geistigen Auge erschienen quängelnde Kinder, Bilder eines spießigen und langweiligen Lebens. Oh nein, das war nicht sein Ding! So wollte er nicht leben! Nicht jetzt und heute!
„Es ist dein Ding, wenn du das so siehst, Trisha! Wenn dir mein Job und mein Lebensstil nicht gefällt, dann kann ich es nicht ändern!“ gab er pampig zurück und drehte sich wieder zu ihr um. Überrascht sah er, daß sie komplett angezogen war, den Koffer gepackt hatte. Sie weinte nicht mehr, obwohl sie ihre roten Augen nicht verbergen konnte.
„Du bist feige, Jon! Ich denke es ist besser, wenn sich unsere Wege trennen!“ flüsterte sie mit zitternder Stimme.
„Trish, lass uns nichts überstürzen! Warum kann es nicht so weitergehen wie bisher?“ versuchte er sie umzustimmen. Der Gedanke sie zu verlieren, gefiel ihm nicht!
Fassungslos sah er mit an wie sie ihren Koffer vom Boden hob und damit zur Zimmertür ging. Kurz blieb sie dort stehen und blickte ihn an.
„Es kann nicht weitergehen, Jon! Ich habe nur dieses eine Leben und werde es nicht wegwerfen! Du magst es vielleicht nicht gerne hören, aber ich liebe dich, Cowboy! Ich liebe dich so sehr, daß ich fast alles für dich tun würde! Aber eben nur fast! Ein Leben als Spielpüppchen gehört definitiv nicht dazu! Leb wohl, Cowboy!“ Die letzten Worte gingen beinahe in ihrem Schluchzen unter und dennoch dröhnten sie in seinem Kopf. Sie lähmten ihn und ließen nicht zu, daß er Trisha zurückhielt, als sie aus der Tür trat. Erst das Zufallen der Tür nahm er wieder bewusst wahr. Er ließ sich aufs Bett fallen.

Chapter 4


Jon ertappte sich, daß er fast ununterbrochen rauchte. Eine Zigarette folgte der anderen. Meinte er wirklich so den dumpfen Schmerz in seinem Inneren bekämpfen zu können? Das hatte damals nicht funktioniert und würde es heute auch nicht tun! Die Zeit der großen Illusionen und Selbstbetrügereien lagen längst hinter ihm! Inzwischen wusste er durchaus, daß er während der „New Jersey-Tour“ völlig den Boden unter den Füßen verloren hatte! Er hatte Dinge getan, die er heute aufrichtig bereute und die er gerne ungeschehen machen würde. Menschlich war er total abgestumpft gewesen und er hatte dadurch viele Menschen verletzt! Nicht zuletzt hatte er auch massiven Ärger mit seinen Jungs gehabt, der inzwischen zum Glück geklärt war. Sie hatten sich ausgesprochen und waren sich einig, daß sie bald wieder zusammen arbeiten wollten. Vor allem war ihm klar, daß der riesige Rummel um seine Person, die Beziehung zu Trisha beeinflusst hatte! Er war sich seiner Fehler sehr bewusst und das machte es auf keinen Fall leichter, damit klar zu kommen! Fuck, wie gerne würde er die Zeit zurückdrehen und mit seinen jetzigen Erfahrungen noch einmal von neuem beginnen! Da ansetzen, wo alles anfing den Bach runter zu gehen!

Es begann zunächst schleichend. Seine Telefonate mit Trisha wurden seltener. Er vergaß sie schlicht und ergreifend! Wenn er spät in der Nacht todmüde ins Bett fiel, hatte er einfach auch nicht mehr die Energie sie anzurufen! Hin und wieder beschwerte sie sich bereits am Telefon und er hatte Mühe sie zu beschwichtigen. Es gelang ihm jedoch. Trisha besuchte ihn das erste Mal, als sie gerade in Europa waren. Sie hatte sich zwei Wochen Urlaub genommen, obwohl ihr Chef nicht begeistert davon gewesen war. Jon verschwendete keinen Gedanken darüber, er nahm es fast gleichgültig zur Kenntnis. Seine körperliche Verfassung war bereits immer schlechter geworden. Oft brachte er kaum noch einen richtigen Ton zu Stande. Er schluckte Medikamente, die ihm zwar halfen, ihn aber auch völlig auslaugten. Natürlich bemerkte Trisha seinen Zustand und versuchte ihm zu helfen. Sie hielt ständig heißen Tee für ihn bereit, massierte seine verspannten Schultern und versuchte ihm das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Zunächst war er dankbar dafür. Trisha zeigte ihm einen Wesenszug, den er noch nicht kannte. Er hatte einfach nicht damit gerechnet, daß dieses fröhliche und freche Geschöpf an seiner Seite, auch eine fürsorgliche Ader besaß! Bisher war sie eher das Partygirl gewesen, mit dem er unglaublichen Spaß im Bett hatte. Jetzt musste er feststellen, daß sie auch Ansprüche stellte. Sie maulte, wenn er ihrer Meinung nach zu lange und zu intensiv mit anderen Frauen lachte. Ihr gefiel auch nicht, was hinter den Kulissen so abging. Klar, konnte Jon nicht alle Groupies entfernen lassen, nur weil seine Freundin da war. Die Jungs hätten ihn in der Luft zerrissen! In Deutschland offenbarte Trisha dann massive eifersüchtige Züge. Der Rummel in Deutschland war enorm und sie konnten kaum ungesehen auf die Straße gehen. Wie üblich gaben sie ihren Fans unzählige Autogramme und ließen sich fotografieren. Oft wurden sie auch beim Essen gestört und Trisha gefiel das gar nicht. Eines Abends war es besonders schlimm. Er hatte sie in ein Lokal eingeladen, daß ihm Doc empfohlen hatte und wollte wirklich einen ruhigen und entspannten Abend mit Trish verbringen. Sie saßen kaum an ihrem Tisch, als schon die ersten Mädchen davor standen und um Autogramme baten. Bereitwillig hatte er sie gegeben, in der Hoffnung, dann seine Ruhe zu haben. Die Hoffnung war vergebens! In Trishas Augen konnte er ihren Ärger sehen, aber er brachte es nicht fertig, die Fans weg zu schicken.
„Jon, das hält ja kein Mensch aus! Hast du eine inoffizielle Autogrammstunde ein beraumt und ich weiß nichts davon?“ Trisha funkelte ihn wütend an.
„Quatsch! Ich kann doch nichts dafür, daß man mich überall erkennt!“ antwortete er besänftigend.
„Du könntest nur netterweise ablehnen! Heaven, ich habe nur noch ein paar Tage mit dir und die will ich nicht mit hysterischen Weibern verbringen! Schick sie weg!“ erwiderte sie scharf.
„Die Fans können nichts dafür, daß wir nicht mehr Zeit für uns haben, Trish! Reiß dich zusammen, du hast gewusst auf was du dich ein lässt!“ wies er sie zurecht.
Auch wenn Trisha hastig den Kopf abwandte, so hatte er ihre feuchten Augen gesehen. Es gefiel ihm nicht, aber es änderte nichts an den Tatsachen. Der Abend war natürlich verdorben und Jon ließ die Rechnung kommen. Wortlos fuhren sie zurück ins Hotel. Trisha schlich mit hängenden Schultern ins Bett und zog die Decke über den Kopf. Jon tat es leid, daß es so gekommen war. Sie hatten sich in den gemeinsamen 12 Monaten noch nicht oft gestritten, sich meistens schnell wieder versöhnt. Er setzte sich zu ihr ans Bett und zog die Decke ein wenig weg. Trisha blinzelte ihn mit traurigen Augen an.
„Na komm, Kleines, nicht mehr böse sein! Ich mag es nicht, wenn du traurig bist und weinst!“ sprach er leise mit ihr.
„Und ich mag es nicht, wenn du mich so behandelst, Jon! Ich bin kein Kind mehr und will auch nicht wie eines behandelt werden!“ erwiderte sie mit heiserer Stimme.
Jon strich ihr eine Locke aus dem Gesicht und beugte sich hinab, um sie sanft zu küssen. Sie wich nicht aus.
„Das wollte ich nicht, Kleines! Tut mir leid!“ murmelte er an ihren Lippen und streichelte ihre Wange.
Trisha hob den Kopf, kam ihm entgegen und schlang die Arme um seinen Nacken. Sie knabberte an seinem Ohrläppchen.
„Zeig mir, daß ich dir auch ein bisschen wichtig bin, Cowboy!“ flüsterte sie und ihr Atem kitzelte ihn.
Jon nahm sie fester in die Arme, streichelte ihre Schulter.
„Natürlich bist du mir wichtig, Trish!“ murmelte er.
Er ließ sie in die Kissen zurücksinken und sah ihr in die großen, grünen Augen, als er begann sie zu streicheln. Er berührte ihre Brüste, liebkoste die sensiblen Spitzen. Sein Mund folgte dem Weg seiner Hände. Trisha seufzte bald leise und schloß die Augen. Jon fühlte, daß Trish Trost brauchte und er gab ihn ihr gerne. Aufmerksam und zärtlich verwöhnte er sie, brachte sie wie immer zum Schnurren. Sie wand sich unter ihm, reckte sich seinen Händen und Lippen entgegen, drückte sich an seinen Körper. Er hörte sie aufschreien, als er in ihre Tiefen eindrang. Sie klammerte sich an seinen Rücken, biß ihm in die Schulter, als die Freuden der Lust über sie hereinbrachen. Zufrieden blickte er in ihr erhitztes Gesicht, streichelte ihre Wange. Ihre grünen Augen leuchteten und sie küsste ihn zärtlich.
„Ich liebe dich, Cowboy!“ flüsterte sie.
Jon zuckte innerlich zusammen, als er ihre Liebeserklärung hörte. Die Worte dröhnten in seinem Kopf, er wusste keine Antwort darauf. Hastig brachte er sie mit einem langen, liebevollen Kuß zum Schweigen. Wenig später war Trish in seinen Armen eingeschlafen. Jon jedoch war hellwach. Nachdenklich blickte er Trish an. Was war passiert? Warum sprach sie plötzlich von Liebe? In all den Monaten hatten sie nicht über ihre Gefühle gesprochen. Es war seiner Meinung nach nicht nötig gewesen! Sie hatten sich gern und gut war es damit! Was ihn an ging, hatte er auch nicht in die Zukunft gedacht. Wozu? Sein ganzes Leben lief nach dem Motto, jeden Tag aufs Neue anzupacken, sich überraschen lassen. Wie sollte er auch planen, wenn er ständig unterwegs war? Meistens wusste er doch gar nicht, wo er sich gerade befand! Warum hatte er jetzt das Gefühl, daß Trisha sehr wohl an eine gemeinsame Zukunft dachte? Bisher hatte doch auch sie lediglich ihr Berufsleben fest im Griff und ließ sich ansonsten treiben. Er hatte doch gesehen, wie ernst sie ihren Job nahm und bemüht war noch weiter aufzusteigen! Hätte er sich womöglich schon Gedanken machen müssen, als sie für zwei Wochen eingeflogen war, obwohl ihr Chef nicht glücklich darüber war? Heaven, hatten sich womöglich ihre Prioritäten verschoben? Der Gedanke machte ihm Angst. Klar, er hatte sie sehr, sehr gerne, aber Liebe musste anders sein. Irgendwie aufregender, intensiver? Er hatte keine Ahnung. Über all diesen unbequemen Fragen schlief er schließlich ein.
Jon gab sich Mühe sein Unbehagen in den nächsten Tagen zu unterdrücken. Er wollte Trisha nicht den Aufenthalt vermiesen und hoffte, daß sich die Dinge von alleine wieder in die richtige Perspektive rückten. Trisha schien nichts von seinen Gedanken zu ahnen. Sie lächelte viel, wich ihm kaum von der Seite und in den Nächten zeigte sie eine Leidenschaftlichkeit, die ihn schlichtweg überwältigte. All dies führte dazu, daß er eine ganze Woche wie ein Hund litt, als sie abgereist war. Letztendlich riss er sich zusammen und schloß sich wieder den Jungs an. Die Party ging in eine neue Runde und Trisha war nur noch eine blasse Erinnerung.

Jon schüttelte unwirsch und ärgerlich den Kopf. Wenn er sich so erinnerte, dann fragte er sich wirklich, wie er so blöd hatte sein können! Wie hatte er ignorieren können, daß er Trisha liebte? Alles nur, weil er feige gewesen war? Weil es nicht unbedingt in sein damaliges Leben gepasst hatte? Oder war er einfach psychisch bereits so fertig gewesen, daß er keinen Durchblick mehr gehabt hatte? Egal wie, es kam ihm unverständlich vor! Fuck, er brauchte einen neuen Drink! Vielleicht brannte der Schmerz dann ja doch ein bisschen weniger!

Als sie in die Staaten zurück kamen, war Jons Aufruhr nicht mehr so groß gewesen. Freudig hatte er Trisha in die Arme genommen und die wenigen, freien Tage mit ihr verbracht. Überrascht nahm er zur Kenntnis, daß Trisha sehr häufig in seiner Abwesenheit bei seinen Eltern gewesen war. Es schien fast, als wäre sie bereits ein fester Bestandteil seiner Familie geworden! Der Gedanke gefiel ihm nicht so recht, aber er wusste auch nicht, was er dagegen tun konnte. Überhaupt kam es ihm so vor, als wäre Trish reifer geworden. Sie war nicht mehr so spontan und überschwänglich wie früher. Wollte sie früher oft ausgehen oder etwas übernehmen, so drängte sie nun eher auf gemütliche Abende zuhause. Jon kam es nicht ganz ungelegen, denn er war körperlich fertig. Trish bekochte ihn und kümmerte sich um alle Belange seines Haushalts. Sie wusch seine Wäsche, bügelte und kümmerte sich sogar um seinen Garten. Sie traf Verabredungen mit seiner Familie und lud sie zum Essen oder Kaffee ein. Er wusste nicht was er davon halten sollte, denn soviel Fürsorglichkeit hatte er von noch keiner Freundin erhalten. Also nahm er es einfach so hin! An seinem letzten Tag zuhause hatte Trisha eine kleine Abschiedsparty organisiert. Es sollte ein nettes Barbecue im Garten sein und sie hatte Freunde und Familie eingeladen. Seine Bandkumpels kreuzten ebenfalls auf, genauso wie einige seiner Cousins und Cousinen mit ihren Kindern. Er hatte seinem Dad die Herrschaft am Grill überlassen und saß entspannt in einem Liegestuhl. Trisha hatte es sich neben ihm auf einer Decke bequem gemacht und spielte mit der Tochter seiner Cousine. Die 3-jährige hatte offensichtlich eine Menge Spaß und lachte immer wieder fröhlich und herzhaft. Trisha kitzelte die Kleine und rollte lachend mit ihr über die Wiese. Jon grinste breit.
Kurz darauf machte sich die Kleine von Trisha los und lief zu ihren Eltern. Trish kniete neben seinem Stuhl und küsste ihn zärtlich.
„Jodie ist wirklich süß! Warum hast du mir nie von ihr erzählt?“ fragte sie Jon.
„Warum sollte ich? Ich hab sie höchstens zweimal gesehen!“ gab Jon verwundert zu.
Trish schüttelte ungläubig den Kopf.
„Das müssen wir ändern, ich mag die Kleine! Willst du eigentlich mal eigene Kinder haben, Jon?“
Jon stockte einen Moment lang der Atem. Worauf zielte sie ab? Er ließ sich Zeit mit seiner Antwort.
„Irgendwann vielleicht schon. Aber das liegt in weiter Ferne, solange ich noch so erfolgreich unterwegs bin!“
Aufmerksam verfolgte er Trishas Reaktion. So entging ihm nicht, daß ihr Blick eine Spur Enttäuschung zeigte. Ihm wurde unwohl, auch wenn Trisha nichts darauf erwiderte. Ziemlich rasch stand sie auf und mischte sich wieder unter die Gäste. Nachdenklich blickte er ihr hinterher und schrak zusammen als Richie ihn ansprach.
„Was habt ihr zwei denn für Themen? Du bist ja kalkweiß im Gesicht, Buddy!“
Jon wandte sich Richie zu, der sich auf der Wiese niederließ.
„Hör mir bloß auf, Rich! Irgendwie scheint mir Trisha langsam auf einem seltsamen Trip zu sein! Sie hat mich eben gefragt, ob ich Kinder haben will!“
Richie fing an zu lachen.
„Ho, ho, Jon da will dich jemand an die Leine legen! Ich seh dich schon mit der Ehefessel am Finger!“ zog Richie ihn auf.
Jon wehrte mit einer Handbewegung ab.
„Vergiss es! Denk an unser Motto! Bevor wir nicht alle Frauen ausprobiert haben, treffen wir auch keine Wahl!“ Jon lachte herzhaft und Richie fiel mit ein.

Chapter 3


Jon traf Mike am nächsten Morgen in der Küche wieder. Freundlich grüßte er Mike und schenkte Kaffee in eine Tasse.
„Kaffee?“ fragte Jon über die Schulter.
„Ja.“ Mike trat neben ihn und nahm die Tasse entgegen. Einen Moment lang guckten sie sich schweigend an.
„Was ist dein Problem, Mike? Warum stört es dich, daß ich mit deiner Schwester schlafe?“ forderte Jon ihn ruhig heraus. Er kannte Michael nicht besonders gut, aber er wollte auch keinen Ärger mit ihm haben.
„Naja, ich war heute Nacht einfach erschrocken, euch beide so nackt in der Küche zu finden! Ich hab nichts gegen dich, Jon! Bitte tu ihr nicht weh!“ entgegnete Mike mit ruhiger Stimme.
Jon glaubte ihm und nickte.
„Ich hab nicht vor ihr weh zu tun, Mike!“ versicherte er ihm.
Sie gingen zusammen zum Küchentisch und begannen schweigend zu frühstücken. Jon dachte fieberhaft nach, legte schließlich sein Messer weg.
„Wäre es dir lieber, wenn ich nicht mehr hier her komme? Trish könnte auch zu mir ziehen, bis ihr Haus fertig ist!“
Mike riß erstaunt die Augen auf.
„Will sie das denn?“ fragte er verblüfft.
„Keine Ahnung, fiel mir eben erst ein! Ich werde sie fragen, wenn sie aus dem Bad kommt!“
Bevor Mike antworten konnte, kam Trisha in die Küche. Ihre Haare waren noch feucht vom Duschen.
„Morgen, ihr zwei!“ grüßte sie fröhlich und ging sich Kaffee holen. Sie kam zum Tisch und setzte sich neben Jon. Sie beugte sich zu ihm hinüber, küsste ihn auf den Mund und strubbelte ihm durch die wirren Haare.
„Morgen, Cowboy!“
Jon grinste nur breit und schob ihr einen Erdnussbuttertoast auf den Teller. Trisha strahlte ihn an. In der Nacht hatten sie entdeckt, daß sie eine gemeinsame Leidenschaft für Erdnussbutter teilten. Sie griff nun hastig danach und kaute kurz darauf zufrieden. Jon drehte sich ihr ein wenig zu.
„Trish, was hältst du davon bei mir zu wohnen, bis dein Haus fertig ist? Wir würden dann deinem Bruder nicht auf den Wecker gehen!“ schlug er vor.
Ihre grünen Augen wurden ganz groß und ihr Blick glitt von ihrem Bruder zurück zu Jon. Sie lächelte und legte ihre Hand auf Jons Arm.
„Aber nur wenn du ne große Küchentheke hast und ich mir beim vög...“ Jon drückte ihr rasch die Hand auf den Mund. „...nicht wieder den Kopf anstoße!“ hörte man sie leise murmeln.
Jon schüttelte belustigt den Kopf. Ein Blick zu Mike zeigte ihm, das Trishas Bruder mit hochrotem Kopf am Tisch saß.
„Kleines, du musst nicht alles ausplaudern! Glaube nicht, daß es Mike interessiert!“ schalt er sie grinsend und nahm die Hand von ihrem Mund.
Trisha lachte fröhlich und zwinkerte ihrem Bruder zu. Dieser lachte nun auch herzhaft.
„Trish, wenn du das tun möchtest, dann ist das okay für mich! Ist vielleicht besser so, bevor wir uns noch richtig in die Haare kriegen!“ bot er ihr an.
Trisha sprang auf und umarmte ihren Bruder stürmisch. Sie drückte einen Kuß auf seine Stirn.
„Danke, Mike! Du bist doch der beste große Bruder!“
„Vor allem der Einzige, Trish!“ bemerkte er grinsend und gab ihr einen Klaps auf den Po.
Trish setzte sich wieder und küsste Jon auf die Wange.
„Jetzt hast du mich also am Bein, Cowboy! Wir könnten ja gleich heute Abend meine Sachen packen, wenn ich von der Arbeit zurück bin. Himmel, ich muß los, sonst komm ich zu spät!“ Hektisch sprang sie wieder auf, schnappte sich den Rest ihres Toasts und ihre Kaffeetasse und fegte aus der Küche.
Lachend stand Jon auf und folgte ihr hinaus in die Eingangshalle. Sie stand vor dem Spiegel an der Garderobe, trank von ihrem Kaffee und fuhr sich mit der anderen Hand hastig durch die feuchte Mähne. Jon trat hinter sie und schlang die Arme um ihren Bauch.
„Mußt du wirklich arbeiten? Kannst du nicht blau machen?“ murmelte er an ihrem Ohr.
Trish schüttelte den Kopf.
„Nix da, ich ruiniere mir doch nicht meine Karriere wegen dir! Du wirst dich bis heute Abend gedulden müssen, Jon! Hilfst du mir später beim Packen?“ Sie blickte ihn im Spiegel an.
Jon nickte.
„Okay, ich helfe dir! Ruf mich an, wenn du hier bist, ich komme dich dann abholen!“ versprach er.
Trisha stellte die Tasse ab und drehte sich in seiner Umarmung um. Sie schlang die Arme um seinen Hals und küsste ihn liebevoll.
„Hast du jetzt ne große Küche, oder nicht?“ Sie zwinkerte ihn fröhlich an.
Jon lachte herzhaft und zog sie fester an sich.
„Hab ich, Kleines! Das ganze Haus ist groß und wir können uns ungestört austoben!“
Trishas Gesicht verzog sich zu einem breiten Grinsen, ihre Nase kräuselte sich. Jon küsste sie und sie erwiderte den Kuß stürmisch und leidenschaftlich. Sofort erwachte Jons Verlangen auf’s Neue und seine Hand wanderte zu ihrem Po. Trisha wand sich aus seinen Armen.
„Sei ein braver Junge, Jon! Bis heute Abend!“ Sie schenkte ihm ein letztes verschmitztes Lächeln und verschwand aus der Haustüre.
Seufzend sah er ihr nach. Es würde schwer werden, den Tag ohne sie rum zu kriegen!

Jon tauchte aus seinen Träumereien auf, weil sein Magen knurrte. Gott, was war das für eine schöne Zeit mit Trisha gewesen! Er tappte in die Küche und schob sich eine Pizza in den Ofen. Als er den Blick so durch den Raum schweifen ließ, erinnerte ihn wirklich alles an Trish! Wie oft hatten sie hier gesessen, gemeinsam gekocht und gegessen! Okay, sie hatten sich auch manchmal hier geliebt, wenn sie gar nicht mehr die Finger von einander hatten lassen können! Ihr Zusammenleben hatte sofort wunderbar geklappt. Die ersten Wochen hatten sie kaum Gesellschaft gesucht, sondern waren sich genug gewesen. Sie waren ausgegangen, waren Shoppen gegangen und er hatte sie gerne maßlos verwöhnt, mit Geschenken geradezu überhäuft. Kein Preis war ihm zu hoch gewesen, um dieses Strahlen in Trishas wunderschöne Augen zu zaubern. Irgendwann hatte er sie auch seinen Eltern vorgestellt. Seine Mum war restlos begeistert von ihr gewesen. Seine Brüder hatten glatt Manieren an den Tag gelegt und versuchten sich darin zu übertreffen, Trisha zu beeindrucken. Auch die Band kam gut mit Trisha klar. Richie hatte ihm anerkennend auf die Schulter geklopft und ihm zu „dem heißen Schuß“ gratuliert. Es lief wirklich prima!
Irgendwann musste Jon jedoch wieder arbeiten und er hatte weniger Zeit für Trisha. Stundenlang verschanzte er sich mit Richie in seinem Studio und sie arbeiteten an Songs für das nächste Album. Trisha konnte um die gleiche Zeit in ihr renoviertes Häuschen einziehen. Jon half ihr beim Umzug und verbrachte auch die erste Nacht dort mit ihr. Trisha war glücklich in ihrem neuen Nest und es bereitete ihr keine Probleme, daß er weniger Zeit für sie hatte. Zielstrebig ging sie ihrer eigenen Karriere nach. Als Jon mit der Band für sechs Wochen nach Vancouver musste, um dort das Album aufzunehmen, versprach sie ihm, ihn zu besuchen. Jon fuhr beruhigt weg.
In Vancouver knüpften sie nahtlos dort an, wo sie mit den Aufnahmen für „Slippery“ aufgehört hatten. Tagsüber wurde hart gearbeitet und am Abend genauso hart gefeiert. Wieder trieben sie sich in den Stripclubs der Stadt rum, nur das diesmal der Hype um ihre Personen noch größer war. Jon ließ sich völlig von dem Lotterleben einfangen. Er hatte nicht mal ein schlechtes Gewissen, als er zum ersten Mal mit einer Fremden im Bett aufwachte! Trisha war weit weg und musste es ja nicht erfahren! Haarig wurde es nur, als Trisha ziemlich unangekündigt in Vancouver auftauchte! Das es nicht zu einer peinlichen Situation kam, hatte er nur Richie zu verdanken, der geistesgegenwärtig handelte und die dralle Blondine auf seinen Schoß zog, die Sekunden vor Trishas Auftauchen, noch halbnackt auf Jon gesessen hatte. Trisha hatte offensichtlich nichts davon gesehen, denn sie stürzte mit wehenden Fahnen auf Jon zu und fiel ihm um den Hals. Jon freute sich sehr sie zu sehen und ihm wurde bewusst, daß er sie doch ein wenig vermisst hatte! Eine ganze Woche lang klinkte er sich aus den Bandaktivitäten am Abend aus und verbrachte die Zeit mit Trish. Wie schon zuhause auch, kamen sie kaum aus dem Bett. Trisha kam mit ins Studio und sah ihnen bei den Aufnahmen zu. Danach verschwanden sie kurz zum Essen und dann rasch wieder ins Hotelzimmer. Er genoß die Zeit mit Trish wirklich sehr und war auch geknickt, als sie abreisen musste. Doch nach wenigen Tagen verfiel er wieder in das Lotterleben und zog es bis zum Ende der Aufnahmen durch. Inzwischen war klar, daß sie nach den Aufnahmen auch wieder auf Tour gehen würden. Nur wenige Wochen blieben ihm, um sich zuhause auszuruhen, bevor es in Asien los ging. Trisha war traurig, daß sie nicht mehr viel Zeit miteinander hatten und sie sich dann lange nicht mehr sehen würden. Sie schmiedete eifrig Pläne, wann und wie sie Jon auf Tour besuchen konnte. Es schmeichelte ihm sehr, daß sie keine Mühen scheuen wollte! Zum Dank nahm er sich noch mehr Zeit für sie, als er eigentlich erübrigen konnte. Trotzdem fiel ihm der Abschied von ihr sehr schwer. Er hatte sich sehr an ihre Anwesenheit gewöhnt und genoß es, sie an seiner Seite zu wissen. Auch die Öffentlichkeit wusste inzwischen von ihr und brachte viele Fotos von Trisha. Einige Zeitungen spekulierten sogar darüber, ob es nicht bald eine Hochzeit geben würde. Jon amüsierte sich darüber. Er hatte keineswegs vor sich so fest zu binden! So wie es zwischen ihnen lief war es perfekt und warum sollte er etwas daran ändern? Trisha bedeutete ihm wirklich viel, aber ob man das Liebe nennen konnte? Eher nicht!
Sobald er auf Tour war, dachte er sowieso nicht mehr viel an zuhause! Der Hype seiner Band war ins Unermessliche gestiegen und übertraf bei weitem all seine Vorstellungskraft. Niemals hätte er sich träumen lassen, so viele Menschen mit seiner Musik zu begeistern! Wo sie auch hin kamen, folgten ihnen Heerscharen von Fans, zumeist weiblichen Geschlechts! Die After-Show-Partys waren rappelvoll mit schönen Frauen, die nichts gegen flüchtigen Sex einzuwenden hatten. Keiner der Jungs musste lange suchen, um Gesellschaft für die Nacht zu finden! Einsamkeit gab es nicht mehr! Es half auf alle Fälle, die großen Anstrengungen besser weg zu stecken!

Chapter 2


Jon wandte sich vom Fenster ab und ging zum Tisch, wo die Whiskeyflasche stand. Er füllte sein Glas noch einmal und setzte sich in den Sessel. Heaven, die Erinnerungen an seine erste Begegnung mit Trish waren so frisch und lebendig, als wäre es erst gestern gewesen! Deutlich sah er ihr Gesicht vor Augen. Diese volle Haarpracht, die lustigen Sommersprossen und ihre wunderschönen, grünen Katzenaugen. Er seufzte tief und fuhr sich durch die Haare. Wieder versank er in Erinnerungen.

Jon war nicht mehr lange auf der Party geblieben. Ohne Trisha fand er keinen Gefallen mehr daran und verabschiedete sich hastig von den Leuten, die er kannte. Bereits auf dem Heimweg beschloß er, sie am nächsten Tag anzurufen. Mit einem Lächeln auf den Lippen war er in der Nacht eingeschlafen.
Er hatte Trisha ohne Probleme im Büro erreicht und an ihrer Stimme konnte er erkennen, daß sie sich über den Anruf freute. Sie verabredeten sich zum Essen und sie bat ihn, sie zuhause abzuholen. Voller Vorfreude auf den nächsten Tag hatte Jon aufgelegt und einen Tisch in seinem Lieblingsrestaurant reserviert. Hoffentlich gefiel ihr seine Wahl!
Als er sich auf den Weg zu Mikes Haus machte, um Trish abzuholen, war er nervös. Sie war einfach eine ganz andere Liga, als die Mädchen, mit denen er bisher ausgegangen war! Er war gespannt, ob sie ihn heute wieder mit ihrer Direktheit und ihrer selbstsicheren Art, überrumpeln würde.
Er hatte kaum an der Tür geklingelt, als Trish auch schon die Tür auf riss und ihn an strahlte.
„Hi Cowboy, du bist ja sogar pünktlich!“ begrüßte sie ihn fröhlich und winkte ihn ins Haus.
„Hi Trish! Hab ich wieder ein Vorurteil widerlegt?“ Jon grinste, als er an ihr vorbei ging.
„Nicht wirklich! Komm doch mit ins Wohnzimmer!“
Jon nickte und ging voraus. Trish folgte ihm und trat an die Hausbar.
„Noch einen Drink, Jon? Ich muß noch ein paar Minuten auf einen wichtigen Anruf warten, dann können wir los. Schlimm?“ Sie blickte ihn fragend an.
„Ist okay. Hast du Weißwein da?“
„Moment, im Kühlschrank ist noch welcher. Ich hol ihn dir!“ Trish eilte aus dem Raum.
Jon setzte sich auf das Sofa und wartete darauf, daß sie zurück kam. Er musste nicht lange warten und konnte sie endlich richtig ansehen. Trish trug eine enge, schwarze Hose und eine smaragdgrüne Bluse. Die Farbe des Oberteils unterstrich ihre Augenfarbe und verlieh ihr ein frisches Aussehen. Ihre roten Haare trug sie heute zu einem lockeren Knoten aufgesteckt, aus dem einige Strähnen vorwitzig heraus fielen. Sie sah einfach toll aus! Trish reichte ihm ein Weinglas und setzte sich zu ihm auf die Couch. Sie schlug die Beine unter und rutschte in die Sofaecke. Jon lehnte sich entspannt zurück, als sie ihn nach seinem Tag fragte. Die Unterhaltung plätscherte locker und fröhlich vor sich hin. Immer wieder fühlte er ihren aufmerksamen Blick auf sich. Er konnte ihn jedoch nicht deuten. Als Trisha ihre Zigarette im Aschenbecher ausdrückte, rückte sie ein wenig näher an ihn heran. Sie griff nach seinem Weinglas und nippte daraus. Den Blick auf das Glas geheftet sprach sie leise.
„Jon, ich weiß nicht was du davon halten wirst und es ist auch sonst nicht meine Art, aber ich muß meine Prinzipien jetzt einfach über den Haufen werfen! Ich finde nicht, daß wir diese Rituale, wie Essen gehen, durchziehen müssen! Ist doch albern!“
Sie blickte ihn kurz an, aber er sagte nichts. Er war sich nicht recht sicher worauf sie hinaus wollte und wartete ab. Trish rückte noch näher und legte ihre Hand auf seinen Unterarm. Leicht streifte sie mit dem Zeigefinger sein Handgelenk.
„Ich möchte gerne mit dir hier bleiben, Jon!“ stieß sie hastig hervor. „Würde dich unheimlich gern küssen!“ setzte sie leise nach.
Jons Herz schlug einen Tick schneller. Er bemerkte, daß sie voller Anspannung war und auf seine Antwort wartete. Er bewunderte ihren Mut, ihre Ehrlichkeit. Er fasste nach ihren Fingern auf seinem Arm und umschloß sie fest. Sanft zog er sie zu sich heran, bis sie direkt neben ihm saß, ihre Beine sich berührten. Er hob ihr Kinn an, damit sie ihn an sah.
„Kannst du Gedanken lesen, Trish?“ flüsterte er und sah ihr fest in die Augen.
Sie lächelte freudig, ihre Unsicherheit verflog. Jon schob seine Hand in ihren Nacken und zog ihren Kopf zu sich. Sanft berührte er mit seinem Mund ihre Lippen. Sie waren warm, weich und er küsste sie behutsam. Trish kam ihm entgegen, ihre Lippen wurden nachgiebiger, öffneten sich einladend. Sie schlang die Arme um seinen Hals und sie zupfte an seinen Haaren. Jon zog Trish enger an sich, vertiefte den Kuß und neckte sie mit seiner Zunge. Er hörte sie leise schnurren und musste grinsen. Seine Hände fanden den Weg in ihre Haare und lösten vorsichtig die Klammern ihrer Frisur. Weich fielen ihre Locken herab, bedeckten seine Hände. Trish schmiegte sich in seine Arme, saß fast auf seinem Schoß, während sie ihn immer intensiver küsste. Gott, sie schmeckte himmlisch und sie roch auch noch so gut! Ihm wurde warm und in seinen Lenden regte es sich. Mühsam riß er sich zusammen, denn er wollte sie nicht drängen. Er fühlte ihre zarten Finger an seinem Hals, die ihn zärtlich streichelten. Ein Seufzen entwich seiner Kehle und Trish machte sich von ihm los. Mit funkelnden Augen blickte sie ihn an und lächelte.
„Du küsst wundervoll, Cowboy!“ sprach sie leise und fuhr mit dem Zeigefinger über seine Unterlippe.
Jon grinste und schnappte nach ihrem Finger. Er biss sanft in ihre Fingerkuppe und leckte leicht daran, wobei er sie nicht aus den Augen ließ. Sie war noch schöner mit den offenen Haaren, als er sich hatte vorstellen können! Energisch entzog sie ihm ihren Finger und hauchte einen leichten Kuß auf seinen Mund.
„Ich will dich, Cowboy! Jetzt!“ flüsterte sie an seinen Lippen.
Jons Herz beschleunigte von Null auf Hundert. Er küsste sie als Antwort stürmisch, fast gierig. Ihre Hände wanderten auf seine Brust und öffneten hastig die Knöpfe. Zart und warm glitten ihre Finger über seine Haut und bescherten ihm Schauer. Auch wenn er es bedauerte, so schob er sie von sich und stand auf. Er reichte ihr die Hand, zog sie auf die Füße und schloß sie fest in die Arme.
„Lass uns in dein Zimmer gehen, Kleines!“ schlug er mit rauer Stimme vor.
Trish nickte zustimmend, doch sie machte keine Anstalten sich zu bewegen. Jon fasste mit beiden Händen unter ihren Po und hob sie hoch. Sofort schlang sie ihre Beine um seine Hüften. Sie grinste ihn zufrieden an.
„Treppe hoch, dann links bis zur Tür am Ende!“ teilte sie ihm mit und lachte herzlich. Jon brachte sie mit einem weiteren Kuß zum Schweigen und ging los. Sie küssend durchquerte er die Eingangshalle, während Trish versuchte, ihm das Hemd über die Schultern zu ziehen. Auf den unteren Stufen der Treppe bedeutete ihm Trish sie abzusetzen. Er tat es. Hastig streifte sie ihm das Hemd über die Arme und ließ es fallen.
„Das brauchst du nicht mehr, Cowboy!“ lachte sie ihn amüsiert an.
Jon grinste, besonders als er sah, wie sie ihre Bluse aus der Hose zog und die Knöpfe öffnete. Fast schon hektisch schlüpfte sie aus den Ärmeln und schmiß das Kleidungsstück über das Treppengeländer. Jon hielt den Atem an bei ihrem Anblick. Die Farbe ihres BH’s glich der ihrer Bluse und hob sich prima von ihrer blassen Haut ab. Verbarg jedoch kaum ihre vollen Rundungen, sondern setzten sie perfekt in Szene! Ihr kleiner Bauchnabel zog ihn magisch an und so drückte er einen raschen Kuß darauf. Trish kicherte und zog ihn an den Haaren wieder nach oben.
„He, weiter geht’s, Cowboy!“ neckte sie ihn und drückte sich wieder fest an ihn. Jon lachte und fummelte am Verschluß ihres BH’s, bis er sich öffnete. Hektisch zog er die Träger von ihren Schultern und zerrte das seidige Dessous zwischen ihren Körpern hervor. Unachtsam ließ er es fallen und lenkte Trish die Treppe höher hinauf. Sie kicherte leise und sie hielt sich an seinen Schultern fest, um beim Rückwärtsgehen nicht zu fallen. Jon wurde siedendheiß als er ihre nackten Brüste an seinem Oberkörper fühlte. Erleichtert atmete er auf als sie die Treppe endlich bewältigt hatten. Schwungvoll drehte er Trish mit dem Rücken zu sich herum und langte nach dem Reißverschluß ihrer Hose. Er küsste dabei ihren Nacken und den zarten Schwung ihrer Schulter. Nur flüchtig warf er einen Blick auf ihre Brüste, aber er nahm wahr, daß ihre Spitzen keck hervorstanden. Schnell war ihre Hose offen und er schob sie hinab, während er sie den Flur entlang dirigierte. Trish stoppte, als die Hose an ihren Knien hängen blieb. Eilig schlüpfte sie heraus und trat einen Schritt vorwärts. Jon konnte nun einen Blick auf ihr Höschen werfen und fand darunter einen kleinen, festen Po. Trish hatte wohl über die Schulter geguckt und seinen Blick gesehen. Neckisch wackelte sie mit dem Hintern.
Jon lachte und schlang die Arme von hinten um ihren Bauch.
„Du siehst toll aus, Kleines!“ murmelte er an ihrem Ohr.
„Noch bist du im Vorteil, Cowboy, aber nicht mehr lange!“ antwortete sie kichernd.
Rasch hatten sie das Ende des Flurs erreicht und Trish öffnete die Zimmertür. Jon verschwendete keine Zeit damit sich umzusehen. Kurz ließ er Trisha los, warf die Tür hinter sich ins Schloß und zog sie sofort wieder in eine innige Umarmung. Trisha küsste ihn tief und leidenschaftlich und ihre Finger schlichen sich zu seinem Gürtel. Geschickt öffnete sie ihn und auch gleich den Reißverschluß seiner Jeans. Ihre Hände glitten an seinem Hintern in die Jeans und kniffen seine Pobacken.
„Nicht schlecht, Cowboy!“ murmelte sie an seinem Mund.
Jon amüsierte sich köstlich über ihre Bemerkungen. Überhaupt gefiel ihm die fröhliche, ungezwungene Stimmung zwischen ihnen. Doch langsam nahm seine Ungeduld, sein Verlangen zu. Er half mit, als sie ihm die Jeans und auch gleich die Shorts auszog. Trisha entzog sich seinem Griff und ging rückwärts zu dem breiten Bett hinüber. Er konnte ihren Blick auf seinem Körper fühlen, aber er gehörte nicht zu der Sorte Männer, die sich unwohl in ihrer Nacktheit fühlten! Er folgte Trisha zum Bett und ließ sie nicht aus den Augen, als sie sich darauf niederließ und mit den Ellbogen aufstützte. Ein Lächeln spielte um ihre Mundwinkel, ihre grünen Augen waren zu schmalen Schlitzen verengt. Wieder erinnerte sie ihn an eine Katze und er wollte sie nun ganz schnell zum Schnurren bringen! Er kniete sich über ihre Beine und küsste sie mit all seinem Verlangen. Sanft drückte er sie auf die Laken hinab und schickte seine Hände auf Wanderschaft. Berührte ihre schlanken Beine, ihre Hüften, den flachen Bauch. Strich leicht über das winzige Stückchen Stoff ihres Slips und fühlte die Hitze dort. Trisha zog ihn auf sich, streichelte über seinen Rücken und seinen Hintern. Jons Erregung stieg noch höher und er rieb seine Lenden an ihren Hüften. Sie schlang die Beine um seine Hüften und drückte sich noch enger an ihn. Sie seufzte leise in sein Ohr, als er sich an ihrem Hals hinab küsste. Feuchte Küsse landeten auf ihrer Haut und voller Erwartung reckte sie sich ihm entgegen. Lächelnd blickte er ihr ins Gesicht, bevor er sich ihrem Busen zuwandte. Er küsste die schönen Wölbungen und kostete die zarte Haut. Sanft schloß er die Lippen um ihre rosige Spitze und streichelte sie mit seiner Zunge. Er hörte einen heiseren, erregten Schrei aus Trishas Mund. Es spornte ihn zusätzlich an und er fasste mit beiden Händen zu, während er sich weiter hinab küsste. Ihre hübschen Brüste passten perfekt in seine Hände, fühlten sich wunderbar an. Er küsste ihren Nabel, versenkte die Zunge darin. Trishas Bauchmuskeln spannten sich unter ihm an, ihre Hüften hoben sich vom Bett. Er spürte ihre Ungeduld, die seiner eigenen glich. Seine Selbstbeherrschung löste sich augenblicklich in Luft auf. Jesus, später war auch noch Zeit sich ausgiebig zu verwöhnen! Seine Hände verließen ihren Busen und griffen nach ihrem Höschen. Sie hob die Hüften an und ruckzuck landete der Slip auf dem Fußboden. Jon ließ sich neben Trish aufs Bett fallen und zog sie eng an sich. Ihr Bein umschlang noch immer seine Hüften, sie grinste ihn wissend an.
„Mach schnell, ich halte das Geplänkel nicht mehr länger aus, Cowboy!“ flüsterte sie und schob eine Hand zwischen seine Schenkel. Jon zuckte zusammen, als sich ihre Finger fest um seine Männlichkeit schlossen. Ihre grünen Augen funkelten vergnügt, als sie ihn gekonnt reizte. Sein Atem ging heftiger, einen Moment lang schloß er die Augen. Doch schnell fing er sich wieder und tastete sich ebenfalls an ihrem Körper hinab. Sie stöhnte laut auf, als er ihre intimste Stelle berührte und zärtlich streichelte. Seine Finger waren auf Hitze und Feuchtigkeit getroffen. Sie fühlte sich samtigweich an und es verlangte ihn danach diese verlockende Weiblichkeit zu erobern. Er nahm die Hand weg und zog sie näher an sich heran. Trisha blickte ihn mit verschleierten Augen an, als sie ihn zum Ziel führte und er behutsam in sie hinein glitt. Ein kleiner Ruck und er versank tief in ihrem heißen Schoß. Sie atmeten beide schwer und laut. Die Geduld verließ sie gleichzeitig und sie begannen sich zu bewegen. Schnell fanden sie einen leidenschaftlichen Rhythmus, rollten gemeinsam über die Laken. Schweißnasse Haut rieb aneinander, trieb die Lust ins Uferlose. Lustvolle Seufzer und raues Stöhnen erfüllte die Luft. Lange hielten sie es nicht aus und ihre Körper trafen noch hektischer aufeinander. Trisha gewann die Oberhand und Jon überließ ihr die Führung. Er konnte spüren, daß sie gleich abheben würde und auch er konnte die Erfüllung nicht länger hinaus zögern. Die letzten hastigen und schnellen Stöße, feuchte Küsse, dann überschlugen sich die erfüllenden Wellen über ihnen. Trisha sackte schwer atmend auf seiner Brust zusammen, klammerte sich fest an seine Schultern. Schwerfällig hob Jon die Arme und schlang sie um ihren zitternden Körper. Es dauerte lange bis sie zur Ruhe kamen. Trish rutschte schließlich ein wenig von ihm herunter, lag entspannt und strahlend in seinem Arm. Ihre Finger zupften an seinen Brusthaaren und kitzelten ihn verspielt. Sie küsste seine Wange und rieb ihre Nase an seinem Hals.
„Cowboy, danach könnte ich süchtig werden!“ murmelte sie mit rauer Stimme.
Jon lachte leise und küsste sie liebevoll. Er ließ seine Hand über ihren Rücken wandern, die Wirbelsäule nachziehen.
„Das können wir noch besser, Kleines! Wir werden viel üben, aber nur wenn du immer wie ein kleines Kätzchen schnurrst!“ neckte er sie.
Trish hob den Kopf und guckte ihn ungläubig an.
„Magst du das denn so gerne?“
Jon nickte grinsend und hauchte einen Kuß auf ihre Lippen.
„Hm. Ich mag es auch wie du Cowboy zu mir sagst!“ gab er ehrlich zu. Im gleichen Moment wunderte er sich über sich selbst. Normalerweise fiel es ihm nicht leicht über so was zu reden, schon gar nicht wenn er eine Frau erst so kurz kannte wie Trish! Ihr strahlendes Lächeln empfand er daher fast wie eine Belohnung.
Sie hatten die ganze Nacht über geredet, sich Geschichten aus ihrem Leben erzählt. Immer wieder tauschten sie Zärtlichkeiten aus oder gaben sich ihrem Verlangen hin. Irgendwann schlichen sie sich nackt in die Küche, um ihren Hunger zu stillen. Sie plünderten lachend den Kühlschrank und schraken heftig zusammen, als die Deckenbeleuchtung plötzlich aufflammte.
„Ach du Scheiße!“
Jon riß den Kopf herum und erblickte Mike in der Küchentür. Shit, den hatte er ja völlig verdrängt. Instinktiv schob er sich vor Trish, um sie vor den aufgerissenen Augen ihres Bruders zu schützen. Trish kicherte nervös in seinem Rücken.
„Mike, schleich dich! Hau ab!“ forderte sie ihn lachend, aber auch ein wenig verlegen auf.
Mike rang sichtlich um Fassung, blickte schließlich zur Seite.
„Trish, musst du dir unbedingt einen Musiker einfangen? Mum wird mich lynchen, weil ich nicht besser auf dich aufgepasst habe!“ stieß er hervor.
Jon musste grinsen, aber er hielt den Mund. Dies war eine Sache zwischen Geschwistern und kam ihm nur allzu vertraut vor. Er spürte wie Trishas Kopf nach vorne schoß, auf seiner Schulter ruhte.
„Gott, verschon mich mit dem Scheiß, Mike! Ich bin keine zwölf mehr und kann schlafen mit wem ich will! Ich brauche keinen Aufpasser und mit Mum komme ich alleine klar! Jetzt verzieh dich endlich, ich bin schließlich nackt!“ fauchte sie ihren Bruder an.
Jon sah wie Mike den Kopf einzog und sich schließlich kopfschüttelnd verzog. Da hatte aber jemand seinen älteren Bruder gut im Griff! Lachend drehte er sich zu Trish um und sah, daß ihre Augen noch immer angriffslustig funkelten. Er küsste sie sanft und schob ihr eine Haarsträhne hinters Ohr.
„Hey, du bist ja ne richtige Wildkatze! Den sehen wir heute Nacht garantiert nicht noch mal!“ zog Jon sie grinsend auf.
Nach einem kurzen Moment lachte auch Trisha herzlich auf und schlang die Arme um seinen Hals. Sie drückte sich eng an ihn.
„Dann können wir es ja auch hier tun! Ich hatte noch nie Sex in der Küche!“ flüsterte sie verführerisch in sein Ohr.
Statt einer Antwort hob Jon sie auf den Küchenschrank.

Chapter 1


Jon blätterte lustlos in der Zeitung herum. Er war zum Frühstück zu seinen Eltern gefahren und saß nun am Küchentisch und trank Kaffee. Seine Mum werkelte geschäftig im Haus herum. Seine Laune war ziemlich im Keller. Ein weiterer langweiliger und grauer Tag lag vor ihm. Wie sollte er die Zeit nur tot schlagen? Ihm war langweilig und die Unruhe in ihm wuchs von Tag zu Tag. Noch nie zuvor hatte er so viel Zeit gehabt wie jetzt, wo die Band auf Eis lag nach der langen New Jersey-Tour. Vor sich hin grummelnd schlug er die nächste Seite um. Sein Blick glitt flüchtig über die Seite, doch plötzlich stutzte er und sah genauer hin.
„Oh nein, das darf nicht wahr sein!“ stöhnte er auf und raufte sich die Haare.
„Was ist denn?“
Jon blickte hoch. Seine Mutter sah ihm über die Schulter und er deutete auf die Anzeige.
„Sag mir bitte, daß ich mich verlesen habe! Da steht nicht wirklich, daß Trisha morgen heiraten wird, oder?“ Er hörte selbst, daß seine Stimme einen flehenden Unterton enthielt.
Carol legte ihm die Hand auf die Schulter und drückte sie leicht.
„Wußtest du das nicht, Jonny? Sie heiratet Matt. Ist ein wirklich netter Kerl, wie alle sagen! Und Partner in einer großen Anwaltskanzlei ist er auch! Ich freue mich für sie und das solltest du auch tun, Junge!“
Ihre Worte dröhnten in seinen Ohren und sein Herz schlug wild. Er hatte sich also nicht verlesen und es war auch nicht eine andere Trisha O’Neil, die in der Zeitung ihre Hochzeit bekannt gab! Hastig schob er seinen Stuhl zurück und sprang auf.
„Das kann sie nicht machen! Sie kennt den Typen doch kaum!“ rief er aufgebracht und schlug auf die Arbeitsplatte.
„Mach mal halblang! Es muß doch mindestens ein Jahr her sein, daß ihr euch getrennt habt!“ wies ihn seine Mutter zurecht.
Jon funkelte sie wütend an.
„Was ist denn schon ein Jahr? Nichts! Sie will einen Fremden heiraten!“
Carol wurde sein Verhalten zu dumm. Sie ging zu ihm, blieb dicht vor ihm stehen und sah ihm fest in die Augen.
„Du hattest schließlich die Wahl, Jon!“ entgegnete sie ruhig.
Jon zuckte zusammen und blickte ihr fassungslos nach, als sie ihn ohne weiteren Kommentar stehen ließ. Rasend vor Wut schnappte er sich die Zeitung und verließ die Küche. Mit quietschenden Reifen fuhr er aus der Einfahrt seiner Eltern. Jegliche Geschwindigkeitsbegrenzung missachtend fuhr er nachhause.

Er steuerte schnurstracks die Hausbar an und schenkte sich einen Drink ein. Es war ihm herzlich egal, daß es erst 10 Uhr morgens war! Jon ließ sich in einen Sessel fallen, starrte grimmig vor sich hin und trank. Lange hielt es ihn jedoch nicht im Sessel und er sprang auf. Unruhig tigerte er durch sein Wohnzimmer, zündete sich auch eine Zigarette an. Wie konnte sie so unvermittelt heiraten? Alles vergessen, was sie zusammen erlebt hatten? Wer war der Kerl, der „seine“ Trish vom Markt nehmen wollte? Ärgerlich und frustriert trat er nach einem Hocker, der daraufhin lautstark gegen den Tisch knallte. In seinem Bauch machte sich ein bekannter Schmerz breit. Himmel, er hatte wirklich gedacht, daß er damit durch war! Nachdenklich blickte er aus dem Fenster, versuchte das Bohren mit einem Schluck Whiskey zu betäuben.

„Hey Cowboy, schieb mal deinen Hintern zur Seite und lass mich an den Kühlschrank!“
Jon trat instinktiv zur Seite und drehte sich nach der Person mit der Reibeisenstimme um. Nur zwei Meter von ihm entfernt stand eine Frau mit dem Rücken zu ihm vor dem geöffneten Kühlschrank. Sie trug ein schwarzes Kostüm mit kurzem Rock und hohe Pumps. Bemerkenswert waren jedoch ihre Haare. Eine dunkelrote Mähne war auf ihrem Hinterkopf zu einem raffinierten Zopf geflochten, der zwischen ihren Schulterblättern endete. Die Farbe des Haares war ein Blickfang. Ein kräftiges, dunkles Rot. Man sah sofort, daß dies nicht das Werk eines Frisörs, sondern der Natur zu verdanken war. Jetzt war er neugierig und wartete ungeduldig darauf, daß sie sich umdrehte und er sie von vorne sehen konnte. Die Rückansicht war schon mal nicht übel gewesen!
Er musste nicht lange drauf warten. Sie drehte sich um und schmiß schwungvoll die Kühlschranktür zu. Jon musste trocken schlucken, als er ihr Gesicht sah. Wow! Leuchtend grüne Augen blitzten ihm unter langen Wimpern entgegen. Eingebettet in ein hübsches Gesicht mit vollen, roten Lippen. Ihre Haut war hell und von vielen, kleinen Sommersprossen gezeichnet. Sie verliehen ihr ein vorwitziges Aussehen und Jon musste unwillkürlich lächeln. Er bemerkte, daß sie ihn nur flüchtig anblickte und dabei aus einem Weinglas trank.
„Ach du bist es!“ bemerkte sie trocken in seine Richtung.
Jon war verblüfft über ihre Reaktion. Er war sich sicher, daß er sie nicht kannte. So eine Frau hätte er niemals vergessen! Und in den letzten Monaten war es selten geworden, daß Fremde so gelassen auf ihn reagierten und nicht gleich in hysterisches Geschrei ausbrachen. 1:0 für die Unbekannte! Er verfolgte, wie ihr Blick rasch durch die Küche huschte, das Buffet und die Getränke entdeckte.
„Himmel, wenn ich gewusst hätte, daß Michael mal wieder eine Party schmeißt, dann hätte ich mir ein Hotelzimmer genommen! So ein Mist, daß die Handwerker noch nicht mit meiner Hütte fertig sind und ich hier fest hängen muß! Kannst du mir mal verraten, warum mein Bruder immer solche Typen einladen muß? Okay, das ginge ja noch, wenn er nicht auch noch diese Silikonschlampen einladen würde! Da draußen im Wohnzimmer könnte man meinen man ist in Silicon Valley! Pass bloß mit spitzen Gegenständen auf, sonst platzt da noch eine von den Bräuten! Sag mal, wie fühlt sich das eigentlich an?“ Sie blickte ihn nun voll an, ihr Blick war neugierig.
Jon war wie erschlagen von ihrem Wortschwall und den Informationen, die sie ihm geliefert hatte. Okay, sie war anscheinend die Schwester des Gastgebers und wohnte zur Zeit hier, da ihre Wohnung renoviert wurde. Soweit so gut! Doch wie kam sie dazu bei ihm abzulästern, als würden sie sich schon Ewigkeiten kennen? Irgendwie war sie ihm ein wenig unheimlich.
„Wie fühlt sich was an?“ fragte er zurück, als er sich wieder im Griff hatte.
„Oh Heaven, steig mal von der Leitung runter! Das Silikon natürlich! Ich will wissen wie sich so ein Silikonbusen anfühlt! Wirst du doch wissen, schließlich wurden die Mädels da draußen auch für dich eingeladen!“ gab sie amüsiert zurück.
Jon war platt. Dieses Mädchen hatte es faustdick hinter den Ohren und schaffte es ihn sprachlos zu machen. Hastig räusperte er sich und trank einen Schluck Bier aus seiner Flasche.
„Sorry, hab keine Ahnung wie sich das anfühlt! Geh doch raus und probier es selbst aus!“
Sie brach in schallendes Gelächter aus, wobei sich ihre Nase niedlich kräuselte. Jon bekam Gänsehaut von ihrem rauen Lachen.
„Netter Versuch von dir, den Unschuldigen zu spielen! Aber danke, ich steh nicht drauf fremde Brüste zu betatschen! Mir genügen durchaus meine eigenen!“ erwiderte sie grinsend.
Nun war es an Jon zu lachen. Was für eine Show! Er kannte noch nicht mal ihren Namen und diskutierte mit ihr über Brüste! Er konnte jedoch nicht widerstehen sie näher zu betrachten. Ihre schwarze Kleidung sah teuer aus und bewies guten Geschmack. Der weiche Stoff umschmeichelte ihre Figur und die war äußerst sehenswert, wie er fest stellte. Keinesfalls brauchte sie über den Gang zu einem Schönheitschirurgen nach zu denken! Was ihm da aus ihrem Ausschnitt entgegen blitzte, sah sehr verlockend aus!
„Was hast du eigentlich mit meinem Bruder zu tun?“ fragte sie neugierig nach und unterbrach seine selbstvergessenen Betrachtungen.
„Mit Mike? Bis jetzt nichts! Doc hat mich hier her geschleppt. Möglich, daß dein Bruder mit ihm zusammen arbeitet?“ gab er offen zu.
Sie neigte nachdenklich den Kopf zur Seite und runzelte leicht die Stirn.
„Könnte sein. Warum stehst du so einsam in der Küche herum und bist nicht drüben im Wohnzimmer wo der Mopp tobt?“
„Ich wollte ein bisschen Ruhe haben und auch was essen. Rummel hatte ich die letzten Monate wahrlich genug!“ er verdrehte ein wenig die Augen.
„Hört sich nicht gerade so an, als wärst du ein Partylöwe! Wie ist denn so ein Leben als Rockstar und Sexsymbol?“
Wieder verblüffte ihn ihre Direktheit. Allerdings verrieten ihre grünen Katzenaugen aufrichtiges Interesse und nicht nur platte Neugier.
„Ich will weder das eine noch das andere sein! Ich will Musik machen und gut ist! Der ganze Schnickschnack geht mir oft auf den Nerv!“ antwortete er.
„Hm, ich glaub dir nicht ganz! Gegen die viele Kohle und die Groupies hast du doch bestimmt nichts einzuwenden! Komm jetzt zerstör nicht völlig meine Vorurteile gegenüber Musikern!“ Sie zwinkerte ihm fröhlich zu und Jon musste grinsen.
„Erwischt!“ entschuldigend und lachend zuckte er mit den Schultern. Ihr Humor war köstlich und er amüsierte sich so gut wie schon lange nicht mehr. War er anfangs gar nicht begeistert gewesen, daß Doc ihn zu dieser Party geschleppt hatte, so hatte sich das inzwischen geändert.
„Wie heißt du eigentlich?“ fragte er sie.
„Trisha. Aber alle nennen mich Trish. Hast du schon von dem Shrimpscocktail probiert? Ist das einzige, was Mikes Partyservice wirklich gut hinbekommt!“ Sie zwinkerte wieder vergnügt und griff nach einem Teller auf dem Tisch.
„Hi Trish! Lass mal probieren, bis jetzt hat alles mehr oder weniger nach Pappkarton geschmeckt!“ Jon trat zu ihr an den Tisch.
Trish hatte sich von den Shrimps genommen und hielt Jon nun eine Gabel davon entgegen. Jon beugte sich ein wenig hinab und ließ sich die Gabel in den Mund schieben. Trish blickte ihn abwartend an, als er kaute.
„Hm, wirklich gut! Danke für den Tipp!“
Trish nickte zufrieden und reichte ihm den Teller mit den Shrimps. Sie nahm sich einen neuen und eine zeitlang standen sie nebeneinander und aßen. Jon schlug irgendwann vor ins Wohnzimmer zu gehen, um es sich dort gemütlicher zu machen. Wortlos griff Trish nach seiner Hand und nach ihrem Weinglas und zog ihn mit sich mit. Jon folgte ihr bereitwillig und durchquerte mit ihr den Raum. Doch statt im Wohnzimmer zu bleiben, wo die anderen waren, zog sie ihn in die Eingangshalle und zur Treppe. Trish ließ seine Hand los und setzte sich auf die Treppenstufen. Auffordernd klopfte sie neben sich auf die Stufen und Jon setzte sich neben sie. Es war etwas eng, aber es schien sie nicht zu stören.
„Hier lässt es sich besser und in Ruhe reden, Jon!“ erklärte sie ihm und blickte ihn von der Seite an.
Er erwiderte ihren Blick. Er bekam etwas feuchte Hände, als er ihr nun so nahe war. Aus welchem Grund auch immer machte sie ihn nervös. Um sich abzulenken, zündete er sich eine Zigarette an.
„Gib mir auch mal eine, bitte! Ich schaffe es einfach nicht mich von dem Laster zu befreien!“ Trish seufzte tief.
Jon reichte ihr die Packung und das Feuerzeug.
„Kenn ich!“ gab er amüsiert zu.
Während sie rauchten, fragte Jon sie ein wenig aus. Trisha gab bereitwillig Antwort. Er erfuhr, daß sie bei einer Fluglinie arbeitete und dort eine eigene Abteilung leitete. Voller Stolz berichtete sie, daß sie mit 25 Jahren die jüngste Managerin der Firma war und das der Job ihr riesigen Spaß machte. Genauso offen gab sie zu, daß sie eine Menge Geld verdiente und sich vor ein paar Monaten ein eigenes, kleines Haus gekauft hatte.
„Im Moment müssen noch ein paar Reparaturen erledigt werden, deshalb wohne ich auch bei meinem Bruder. Wird langsam Zeit, daß ich hier weg komme, sonst mache ich Mike noch kalt!“ Sie grinste schief.
„Warum? Streitet ihr?“ forschte Jon nach.
„Nicht mehr als üblich zwischen Geschwistern. Mich ärgert nur, daß er ständig Partys gibt und mir nicht Bescheid sagt. Da kommt man völlig erledigt nachhause und wird von einer Meute langhaariger Kerle und Silikonmonstern empfangen! Ich bin es echt leid!“ klagte sie.
„So schlimm? Heute ist es doch gar nicht so laut! Ich habe schon andere Partys erlebt!“ Jon grinste sie an.
„Okay, heute komm ich klar damit! Muß an deiner Gesellschaft liegen! Hätte nicht gedacht, daß man so normal mit dir reden kann! Du kannst gut zu hören, Jon!“
Er wurde etwas verlegen wegen des Kompliments. Er sah zu Boden.
„Danke.“ Murmelte er.
Er hörte Trish leise lachen und blickte sie von unten herauf an.
„Du bist ja richtig verlegen, Jon! Wie süß!“ rief sie lächelnd aus.
Jon schüttelte nur leicht den Kopf. Normalerweise hasste er die Bezeichnung „süß“ zu sein. Doch so wie Trish es sagte und ihn dabei ansah, störte es ihn überhaupt nicht, im Gegenteil, es gefiel ihm sogar. Im gleichen Moment wurde er sich auch des leichten Drucks ihres Beines an seinem Oberschenkel bewusst. Fühlte sich gut an!
„Kennst du viele Musiker, weil du soviel Vorurteile hast?“ bohrte er nach.
„Mike schleppt ständig irgendwelche Wannabe’s an! Die meisten davon sind dumm wie ein Stück Brot und nicht wert, daß man auch nur 5 Minuten Zeit investiert! Du bist quasi der Juwel unter all den billigen Glassteinchen!“ Sie grinste ihn vergnügt an und schubste ihn leicht mit der Schulter an.
Jon war wirklich verblüfft über ihre Offenheit. Frauen wie sie kannte er nicht allzu viele, aber es war erfrischend!
„Trish, du bist der Hit! Aber meinst du nicht, daß es mein Part ist Komplimente zu machen?“ zog er sie auf.
„Ach komm, enttäusch mich nicht damit, daß du auf klassische Rollenverteilung stehst! Aber was soll ich tun, wenn du nicht von selbst in die Hufe kommst? Jemand muß ja mit dem Flirten beginnen!“
Jon wurde warm, als er den Glanz ihrer grünen Augen bemerkte.
„Trish, du bist einfach kein Mädchen, das man mit blöden Sprüchen an gräbt! Und verzeih mir bitte, daß ich heute nicht so schnell reagieren kann, wie du redest! Die Tour war heavy und ich bin gerade erst 4 Tage zuhause!“ erwiderte er ernsthaft.
Trish blickte ihn einige Zeit grübelnd an, kaute ein wenig auf ihrer Unterlippe, so daß er ihre weißen, ebenmäßigen Zähne sehen konnte. Überraschend griff sie nach seiner Hand, die auf seinem linken Knie lag.
„Heißt das, du wolltest mich schon an graben, aber meine Klappe war mal wieder zu schnell?“ fragte sie zaghaft.
Jon blickte auf seine Hand und sah wie sie mit dem silbernen Ring an seinem Finger spielte. Ihre Hände waren schmal und sie hatte schöne Fingernägel. Nicht zu lang und nicht zu kurz und vor allem nicht schreiend bunt lackiert, so wie es gerade in war. Es war nur ein winziges Detail, aber es gefiel ihm ausgesprochen gut.
„Würdest du mal mit mir ausgehen, Trish?“
Aufmerksam blickte er sie an und er meinte ein kleines, freudiges Lächeln auf ihren Lippen zu sehen.
„Ich denke schon!“ antwortete sie leise. Keine Spur mehr von ihrem Selbstbewusstsein! Sie wirkte plötzlich schüchtern und verletzlich.
Jon drehte seine Hand und umschloß ihre schmalen Finger.
„Gibst du mir deine Nummer, damit ich dich anrufen kann?“ bat er sie.
Trish nickte und löste sich aus seinem Griff. Sie stand auf und eilte zur Garderobe, wo sie in einer großen Handtasche wühlte. Schnell kam sie zurück und blieb vor ihm stehen. Sie reichte ihm eine Visitenkarte.
„Ruf mich am besten im Büro an, da bin ich immer zu finden! Sorry, ich würde gerne noch länger mit dir quatschen, aber ich muß ins Bett. Ich muß morgen sehr früh raus.“
„Okay, dann melde ich mich bei dir! Schade, daß du gehen musst, aber ich kann es verstehen! Schlaf gut, Trish!“ Er lächelte sie an.
Trish sah ihm lange in die Augen und ihm wurde warm. Sie hob die rechte Hand, küsste ihren Zeigefinger und berührte damit Jons Lippen.
„Gute Nacht, Cowboy!“ flüsterte sie sanft.
Jon hatte keine Gelegenheit die liebevolle Geste zu erwidern. Trish zog hastig die Hand zurück und eilte an ihm vorbei die Treppe hoch. Kurz sah er ihr hinterher, bis sie am oberen Treppenabsatz verschwunden war. Nachdenklich blieb er sitzen, zündete sich eine weitere Zigarette an. Ohne Zweifel zog Trisha ihn an! Ihre ganze Art war ungewöhnlich und erfrischend. Er freute sich, sie wieder zu sehen!

Anmerkung


Manchmal entstehen Geschichten, die einen ganz besonderen Stellenwert für einen selbst haben. Man mag sie einfach ein bisschen mehr als andere, die man geschrieben hat. Wedding Day ist für mich eine solche Besondere. Ich habe fast 1 1/2 Jahre darüber gegrübelt, auf welche Art und Weise ich diesen wunderschönen Songtitel verarbeiten könnte. Alles was mir einfiel hatte ich entweder schon selbst geschrieben oder ein anderer FF-Author hatte etwas ähnliches gemacht.

Hetzen mußte ich ja nicht mit der Story und so habe ich mir Zeit gelassen. Eines Nachts, als ich den Song mal wieder in Dauerschleife gehört habe, hat es plötzlich Klick gemacht und die Idee war da. Ich habe mir die halbe Nacht um die Ohren geschlagen und schon mal den Grundstein gelegt. In zwei Tagen war die Geschichte fertig und was selten vorkommt, bin ich auch heute noch damit zufrieden.
Vorsicht: Diese Geschichte enthält einige erotische Sequenzen. Wer sich das nicht antun möchte, der sollte jetzt mit Lesen aufhören! Denkt bitte daran, daß alles nur der Phantasie entspringt und keinesfalls Tatsachen entsprechen muß!

Viel Spaß beim Lesen!

Jovifun