Montag, 4. Juni 2007

Chapter 3


Jon traf Mike am nächsten Morgen in der Küche wieder. Freundlich grüßte er Mike und schenkte Kaffee in eine Tasse.
„Kaffee?“ fragte Jon über die Schulter.
„Ja.“ Mike trat neben ihn und nahm die Tasse entgegen. Einen Moment lang guckten sie sich schweigend an.
„Was ist dein Problem, Mike? Warum stört es dich, daß ich mit deiner Schwester schlafe?“ forderte Jon ihn ruhig heraus. Er kannte Michael nicht besonders gut, aber er wollte auch keinen Ärger mit ihm haben.
„Naja, ich war heute Nacht einfach erschrocken, euch beide so nackt in der Küche zu finden! Ich hab nichts gegen dich, Jon! Bitte tu ihr nicht weh!“ entgegnete Mike mit ruhiger Stimme.
Jon glaubte ihm und nickte.
„Ich hab nicht vor ihr weh zu tun, Mike!“ versicherte er ihm.
Sie gingen zusammen zum Küchentisch und begannen schweigend zu frühstücken. Jon dachte fieberhaft nach, legte schließlich sein Messer weg.
„Wäre es dir lieber, wenn ich nicht mehr hier her komme? Trish könnte auch zu mir ziehen, bis ihr Haus fertig ist!“
Mike riß erstaunt die Augen auf.
„Will sie das denn?“ fragte er verblüfft.
„Keine Ahnung, fiel mir eben erst ein! Ich werde sie fragen, wenn sie aus dem Bad kommt!“
Bevor Mike antworten konnte, kam Trisha in die Küche. Ihre Haare waren noch feucht vom Duschen.
„Morgen, ihr zwei!“ grüßte sie fröhlich und ging sich Kaffee holen. Sie kam zum Tisch und setzte sich neben Jon. Sie beugte sich zu ihm hinüber, küsste ihn auf den Mund und strubbelte ihm durch die wirren Haare.
„Morgen, Cowboy!“
Jon grinste nur breit und schob ihr einen Erdnussbuttertoast auf den Teller. Trisha strahlte ihn an. In der Nacht hatten sie entdeckt, daß sie eine gemeinsame Leidenschaft für Erdnussbutter teilten. Sie griff nun hastig danach und kaute kurz darauf zufrieden. Jon drehte sich ihr ein wenig zu.
„Trish, was hältst du davon bei mir zu wohnen, bis dein Haus fertig ist? Wir würden dann deinem Bruder nicht auf den Wecker gehen!“ schlug er vor.
Ihre grünen Augen wurden ganz groß und ihr Blick glitt von ihrem Bruder zurück zu Jon. Sie lächelte und legte ihre Hand auf Jons Arm.
„Aber nur wenn du ne große Küchentheke hast und ich mir beim vög...“ Jon drückte ihr rasch die Hand auf den Mund. „...nicht wieder den Kopf anstoße!“ hörte man sie leise murmeln.
Jon schüttelte belustigt den Kopf. Ein Blick zu Mike zeigte ihm, das Trishas Bruder mit hochrotem Kopf am Tisch saß.
„Kleines, du musst nicht alles ausplaudern! Glaube nicht, daß es Mike interessiert!“ schalt er sie grinsend und nahm die Hand von ihrem Mund.
Trisha lachte fröhlich und zwinkerte ihrem Bruder zu. Dieser lachte nun auch herzhaft.
„Trish, wenn du das tun möchtest, dann ist das okay für mich! Ist vielleicht besser so, bevor wir uns noch richtig in die Haare kriegen!“ bot er ihr an.
Trisha sprang auf und umarmte ihren Bruder stürmisch. Sie drückte einen Kuß auf seine Stirn.
„Danke, Mike! Du bist doch der beste große Bruder!“
„Vor allem der Einzige, Trish!“ bemerkte er grinsend und gab ihr einen Klaps auf den Po.
Trish setzte sich wieder und küsste Jon auf die Wange.
„Jetzt hast du mich also am Bein, Cowboy! Wir könnten ja gleich heute Abend meine Sachen packen, wenn ich von der Arbeit zurück bin. Himmel, ich muß los, sonst komm ich zu spät!“ Hektisch sprang sie wieder auf, schnappte sich den Rest ihres Toasts und ihre Kaffeetasse und fegte aus der Küche.
Lachend stand Jon auf und folgte ihr hinaus in die Eingangshalle. Sie stand vor dem Spiegel an der Garderobe, trank von ihrem Kaffee und fuhr sich mit der anderen Hand hastig durch die feuchte Mähne. Jon trat hinter sie und schlang die Arme um ihren Bauch.
„Mußt du wirklich arbeiten? Kannst du nicht blau machen?“ murmelte er an ihrem Ohr.
Trish schüttelte den Kopf.
„Nix da, ich ruiniere mir doch nicht meine Karriere wegen dir! Du wirst dich bis heute Abend gedulden müssen, Jon! Hilfst du mir später beim Packen?“ Sie blickte ihn im Spiegel an.
Jon nickte.
„Okay, ich helfe dir! Ruf mich an, wenn du hier bist, ich komme dich dann abholen!“ versprach er.
Trisha stellte die Tasse ab und drehte sich in seiner Umarmung um. Sie schlang die Arme um seinen Hals und küsste ihn liebevoll.
„Hast du jetzt ne große Küche, oder nicht?“ Sie zwinkerte ihn fröhlich an.
Jon lachte herzhaft und zog sie fester an sich.
„Hab ich, Kleines! Das ganze Haus ist groß und wir können uns ungestört austoben!“
Trishas Gesicht verzog sich zu einem breiten Grinsen, ihre Nase kräuselte sich. Jon küsste sie und sie erwiderte den Kuß stürmisch und leidenschaftlich. Sofort erwachte Jons Verlangen auf’s Neue und seine Hand wanderte zu ihrem Po. Trisha wand sich aus seinen Armen.
„Sei ein braver Junge, Jon! Bis heute Abend!“ Sie schenkte ihm ein letztes verschmitztes Lächeln und verschwand aus der Haustüre.
Seufzend sah er ihr nach. Es würde schwer werden, den Tag ohne sie rum zu kriegen!

Jon tauchte aus seinen Träumereien auf, weil sein Magen knurrte. Gott, was war das für eine schöne Zeit mit Trisha gewesen! Er tappte in die Küche und schob sich eine Pizza in den Ofen. Als er den Blick so durch den Raum schweifen ließ, erinnerte ihn wirklich alles an Trish! Wie oft hatten sie hier gesessen, gemeinsam gekocht und gegessen! Okay, sie hatten sich auch manchmal hier geliebt, wenn sie gar nicht mehr die Finger von einander hatten lassen können! Ihr Zusammenleben hatte sofort wunderbar geklappt. Die ersten Wochen hatten sie kaum Gesellschaft gesucht, sondern waren sich genug gewesen. Sie waren ausgegangen, waren Shoppen gegangen und er hatte sie gerne maßlos verwöhnt, mit Geschenken geradezu überhäuft. Kein Preis war ihm zu hoch gewesen, um dieses Strahlen in Trishas wunderschöne Augen zu zaubern. Irgendwann hatte er sie auch seinen Eltern vorgestellt. Seine Mum war restlos begeistert von ihr gewesen. Seine Brüder hatten glatt Manieren an den Tag gelegt und versuchten sich darin zu übertreffen, Trisha zu beeindrucken. Auch die Band kam gut mit Trisha klar. Richie hatte ihm anerkennend auf die Schulter geklopft und ihm zu „dem heißen Schuß“ gratuliert. Es lief wirklich prima!
Irgendwann musste Jon jedoch wieder arbeiten und er hatte weniger Zeit für Trisha. Stundenlang verschanzte er sich mit Richie in seinem Studio und sie arbeiteten an Songs für das nächste Album. Trisha konnte um die gleiche Zeit in ihr renoviertes Häuschen einziehen. Jon half ihr beim Umzug und verbrachte auch die erste Nacht dort mit ihr. Trisha war glücklich in ihrem neuen Nest und es bereitete ihr keine Probleme, daß er weniger Zeit für sie hatte. Zielstrebig ging sie ihrer eigenen Karriere nach. Als Jon mit der Band für sechs Wochen nach Vancouver musste, um dort das Album aufzunehmen, versprach sie ihm, ihn zu besuchen. Jon fuhr beruhigt weg.
In Vancouver knüpften sie nahtlos dort an, wo sie mit den Aufnahmen für „Slippery“ aufgehört hatten. Tagsüber wurde hart gearbeitet und am Abend genauso hart gefeiert. Wieder trieben sie sich in den Stripclubs der Stadt rum, nur das diesmal der Hype um ihre Personen noch größer war. Jon ließ sich völlig von dem Lotterleben einfangen. Er hatte nicht mal ein schlechtes Gewissen, als er zum ersten Mal mit einer Fremden im Bett aufwachte! Trisha war weit weg und musste es ja nicht erfahren! Haarig wurde es nur, als Trisha ziemlich unangekündigt in Vancouver auftauchte! Das es nicht zu einer peinlichen Situation kam, hatte er nur Richie zu verdanken, der geistesgegenwärtig handelte und die dralle Blondine auf seinen Schoß zog, die Sekunden vor Trishas Auftauchen, noch halbnackt auf Jon gesessen hatte. Trisha hatte offensichtlich nichts davon gesehen, denn sie stürzte mit wehenden Fahnen auf Jon zu und fiel ihm um den Hals. Jon freute sich sehr sie zu sehen und ihm wurde bewusst, daß er sie doch ein wenig vermisst hatte! Eine ganze Woche lang klinkte er sich aus den Bandaktivitäten am Abend aus und verbrachte die Zeit mit Trish. Wie schon zuhause auch, kamen sie kaum aus dem Bett. Trisha kam mit ins Studio und sah ihnen bei den Aufnahmen zu. Danach verschwanden sie kurz zum Essen und dann rasch wieder ins Hotelzimmer. Er genoß die Zeit mit Trish wirklich sehr und war auch geknickt, als sie abreisen musste. Doch nach wenigen Tagen verfiel er wieder in das Lotterleben und zog es bis zum Ende der Aufnahmen durch. Inzwischen war klar, daß sie nach den Aufnahmen auch wieder auf Tour gehen würden. Nur wenige Wochen blieben ihm, um sich zuhause auszuruhen, bevor es in Asien los ging. Trisha war traurig, daß sie nicht mehr viel Zeit miteinander hatten und sie sich dann lange nicht mehr sehen würden. Sie schmiedete eifrig Pläne, wann und wie sie Jon auf Tour besuchen konnte. Es schmeichelte ihm sehr, daß sie keine Mühen scheuen wollte! Zum Dank nahm er sich noch mehr Zeit für sie, als er eigentlich erübrigen konnte. Trotzdem fiel ihm der Abschied von ihr sehr schwer. Er hatte sich sehr an ihre Anwesenheit gewöhnt und genoß es, sie an seiner Seite zu wissen. Auch die Öffentlichkeit wusste inzwischen von ihr und brachte viele Fotos von Trisha. Einige Zeitungen spekulierten sogar darüber, ob es nicht bald eine Hochzeit geben würde. Jon amüsierte sich darüber. Er hatte keineswegs vor sich so fest zu binden! So wie es zwischen ihnen lief war es perfekt und warum sollte er etwas daran ändern? Trisha bedeutete ihm wirklich viel, aber ob man das Liebe nennen konnte? Eher nicht!
Sobald er auf Tour war, dachte er sowieso nicht mehr viel an zuhause! Der Hype seiner Band war ins Unermessliche gestiegen und übertraf bei weitem all seine Vorstellungskraft. Niemals hätte er sich träumen lassen, so viele Menschen mit seiner Musik zu begeistern! Wo sie auch hin kamen, folgten ihnen Heerscharen von Fans, zumeist weiblichen Geschlechts! Die After-Show-Partys waren rappelvoll mit schönen Frauen, die nichts gegen flüchtigen Sex einzuwenden hatten. Keiner der Jungs musste lange suchen, um Gesellschaft für die Nacht zu finden! Einsamkeit gab es nicht mehr! Es half auf alle Fälle, die großen Anstrengungen besser weg zu stecken!

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