Montag, 4. Juni 2007

Chapter 4


Jon ertappte sich, daß er fast ununterbrochen rauchte. Eine Zigarette folgte der anderen. Meinte er wirklich so den dumpfen Schmerz in seinem Inneren bekämpfen zu können? Das hatte damals nicht funktioniert und würde es heute auch nicht tun! Die Zeit der großen Illusionen und Selbstbetrügereien lagen längst hinter ihm! Inzwischen wusste er durchaus, daß er während der „New Jersey-Tour“ völlig den Boden unter den Füßen verloren hatte! Er hatte Dinge getan, die er heute aufrichtig bereute und die er gerne ungeschehen machen würde. Menschlich war er total abgestumpft gewesen und er hatte dadurch viele Menschen verletzt! Nicht zuletzt hatte er auch massiven Ärger mit seinen Jungs gehabt, der inzwischen zum Glück geklärt war. Sie hatten sich ausgesprochen und waren sich einig, daß sie bald wieder zusammen arbeiten wollten. Vor allem war ihm klar, daß der riesige Rummel um seine Person, die Beziehung zu Trisha beeinflusst hatte! Er war sich seiner Fehler sehr bewusst und das machte es auf keinen Fall leichter, damit klar zu kommen! Fuck, wie gerne würde er die Zeit zurückdrehen und mit seinen jetzigen Erfahrungen noch einmal von neuem beginnen! Da ansetzen, wo alles anfing den Bach runter zu gehen!

Es begann zunächst schleichend. Seine Telefonate mit Trisha wurden seltener. Er vergaß sie schlicht und ergreifend! Wenn er spät in der Nacht todmüde ins Bett fiel, hatte er einfach auch nicht mehr die Energie sie anzurufen! Hin und wieder beschwerte sie sich bereits am Telefon und er hatte Mühe sie zu beschwichtigen. Es gelang ihm jedoch. Trisha besuchte ihn das erste Mal, als sie gerade in Europa waren. Sie hatte sich zwei Wochen Urlaub genommen, obwohl ihr Chef nicht begeistert davon gewesen war. Jon verschwendete keinen Gedanken darüber, er nahm es fast gleichgültig zur Kenntnis. Seine körperliche Verfassung war bereits immer schlechter geworden. Oft brachte er kaum noch einen richtigen Ton zu Stande. Er schluckte Medikamente, die ihm zwar halfen, ihn aber auch völlig auslaugten. Natürlich bemerkte Trisha seinen Zustand und versuchte ihm zu helfen. Sie hielt ständig heißen Tee für ihn bereit, massierte seine verspannten Schultern und versuchte ihm das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Zunächst war er dankbar dafür. Trisha zeigte ihm einen Wesenszug, den er noch nicht kannte. Er hatte einfach nicht damit gerechnet, daß dieses fröhliche und freche Geschöpf an seiner Seite, auch eine fürsorgliche Ader besaß! Bisher war sie eher das Partygirl gewesen, mit dem er unglaublichen Spaß im Bett hatte. Jetzt musste er feststellen, daß sie auch Ansprüche stellte. Sie maulte, wenn er ihrer Meinung nach zu lange und zu intensiv mit anderen Frauen lachte. Ihr gefiel auch nicht, was hinter den Kulissen so abging. Klar, konnte Jon nicht alle Groupies entfernen lassen, nur weil seine Freundin da war. Die Jungs hätten ihn in der Luft zerrissen! In Deutschland offenbarte Trisha dann massive eifersüchtige Züge. Der Rummel in Deutschland war enorm und sie konnten kaum ungesehen auf die Straße gehen. Wie üblich gaben sie ihren Fans unzählige Autogramme und ließen sich fotografieren. Oft wurden sie auch beim Essen gestört und Trisha gefiel das gar nicht. Eines Abends war es besonders schlimm. Er hatte sie in ein Lokal eingeladen, daß ihm Doc empfohlen hatte und wollte wirklich einen ruhigen und entspannten Abend mit Trish verbringen. Sie saßen kaum an ihrem Tisch, als schon die ersten Mädchen davor standen und um Autogramme baten. Bereitwillig hatte er sie gegeben, in der Hoffnung, dann seine Ruhe zu haben. Die Hoffnung war vergebens! In Trishas Augen konnte er ihren Ärger sehen, aber er brachte es nicht fertig, die Fans weg zu schicken.
„Jon, das hält ja kein Mensch aus! Hast du eine inoffizielle Autogrammstunde ein beraumt und ich weiß nichts davon?“ Trisha funkelte ihn wütend an.
„Quatsch! Ich kann doch nichts dafür, daß man mich überall erkennt!“ antwortete er besänftigend.
„Du könntest nur netterweise ablehnen! Heaven, ich habe nur noch ein paar Tage mit dir und die will ich nicht mit hysterischen Weibern verbringen! Schick sie weg!“ erwiderte sie scharf.
„Die Fans können nichts dafür, daß wir nicht mehr Zeit für uns haben, Trish! Reiß dich zusammen, du hast gewusst auf was du dich ein lässt!“ wies er sie zurecht.
Auch wenn Trisha hastig den Kopf abwandte, so hatte er ihre feuchten Augen gesehen. Es gefiel ihm nicht, aber es änderte nichts an den Tatsachen. Der Abend war natürlich verdorben und Jon ließ die Rechnung kommen. Wortlos fuhren sie zurück ins Hotel. Trisha schlich mit hängenden Schultern ins Bett und zog die Decke über den Kopf. Jon tat es leid, daß es so gekommen war. Sie hatten sich in den gemeinsamen 12 Monaten noch nicht oft gestritten, sich meistens schnell wieder versöhnt. Er setzte sich zu ihr ans Bett und zog die Decke ein wenig weg. Trisha blinzelte ihn mit traurigen Augen an.
„Na komm, Kleines, nicht mehr böse sein! Ich mag es nicht, wenn du traurig bist und weinst!“ sprach er leise mit ihr.
„Und ich mag es nicht, wenn du mich so behandelst, Jon! Ich bin kein Kind mehr und will auch nicht wie eines behandelt werden!“ erwiderte sie mit heiserer Stimme.
Jon strich ihr eine Locke aus dem Gesicht und beugte sich hinab, um sie sanft zu küssen. Sie wich nicht aus.
„Das wollte ich nicht, Kleines! Tut mir leid!“ murmelte er an ihren Lippen und streichelte ihre Wange.
Trisha hob den Kopf, kam ihm entgegen und schlang die Arme um seinen Nacken. Sie knabberte an seinem Ohrläppchen.
„Zeig mir, daß ich dir auch ein bisschen wichtig bin, Cowboy!“ flüsterte sie und ihr Atem kitzelte ihn.
Jon nahm sie fester in die Arme, streichelte ihre Schulter.
„Natürlich bist du mir wichtig, Trish!“ murmelte er.
Er ließ sie in die Kissen zurücksinken und sah ihr in die großen, grünen Augen, als er begann sie zu streicheln. Er berührte ihre Brüste, liebkoste die sensiblen Spitzen. Sein Mund folgte dem Weg seiner Hände. Trisha seufzte bald leise und schloß die Augen. Jon fühlte, daß Trish Trost brauchte und er gab ihn ihr gerne. Aufmerksam und zärtlich verwöhnte er sie, brachte sie wie immer zum Schnurren. Sie wand sich unter ihm, reckte sich seinen Händen und Lippen entgegen, drückte sich an seinen Körper. Er hörte sie aufschreien, als er in ihre Tiefen eindrang. Sie klammerte sich an seinen Rücken, biß ihm in die Schulter, als die Freuden der Lust über sie hereinbrachen. Zufrieden blickte er in ihr erhitztes Gesicht, streichelte ihre Wange. Ihre grünen Augen leuchteten und sie küsste ihn zärtlich.
„Ich liebe dich, Cowboy!“ flüsterte sie.
Jon zuckte innerlich zusammen, als er ihre Liebeserklärung hörte. Die Worte dröhnten in seinem Kopf, er wusste keine Antwort darauf. Hastig brachte er sie mit einem langen, liebevollen Kuß zum Schweigen. Wenig später war Trish in seinen Armen eingeschlafen. Jon jedoch war hellwach. Nachdenklich blickte er Trish an. Was war passiert? Warum sprach sie plötzlich von Liebe? In all den Monaten hatten sie nicht über ihre Gefühle gesprochen. Es war seiner Meinung nach nicht nötig gewesen! Sie hatten sich gern und gut war es damit! Was ihn an ging, hatte er auch nicht in die Zukunft gedacht. Wozu? Sein ganzes Leben lief nach dem Motto, jeden Tag aufs Neue anzupacken, sich überraschen lassen. Wie sollte er auch planen, wenn er ständig unterwegs war? Meistens wusste er doch gar nicht, wo er sich gerade befand! Warum hatte er jetzt das Gefühl, daß Trisha sehr wohl an eine gemeinsame Zukunft dachte? Bisher hatte doch auch sie lediglich ihr Berufsleben fest im Griff und ließ sich ansonsten treiben. Er hatte doch gesehen, wie ernst sie ihren Job nahm und bemüht war noch weiter aufzusteigen! Hätte er sich womöglich schon Gedanken machen müssen, als sie für zwei Wochen eingeflogen war, obwohl ihr Chef nicht glücklich darüber war? Heaven, hatten sich womöglich ihre Prioritäten verschoben? Der Gedanke machte ihm Angst. Klar, er hatte sie sehr, sehr gerne, aber Liebe musste anders sein. Irgendwie aufregender, intensiver? Er hatte keine Ahnung. Über all diesen unbequemen Fragen schlief er schließlich ein.
Jon gab sich Mühe sein Unbehagen in den nächsten Tagen zu unterdrücken. Er wollte Trisha nicht den Aufenthalt vermiesen und hoffte, daß sich die Dinge von alleine wieder in die richtige Perspektive rückten. Trisha schien nichts von seinen Gedanken zu ahnen. Sie lächelte viel, wich ihm kaum von der Seite und in den Nächten zeigte sie eine Leidenschaftlichkeit, die ihn schlichtweg überwältigte. All dies führte dazu, daß er eine ganze Woche wie ein Hund litt, als sie abgereist war. Letztendlich riss er sich zusammen und schloß sich wieder den Jungs an. Die Party ging in eine neue Runde und Trisha war nur noch eine blasse Erinnerung.

Jon schüttelte unwirsch und ärgerlich den Kopf. Wenn er sich so erinnerte, dann fragte er sich wirklich, wie er so blöd hatte sein können! Wie hatte er ignorieren können, daß er Trisha liebte? Alles nur, weil er feige gewesen war? Weil es nicht unbedingt in sein damaliges Leben gepasst hatte? Oder war er einfach psychisch bereits so fertig gewesen, daß er keinen Durchblick mehr gehabt hatte? Egal wie, es kam ihm unverständlich vor! Fuck, er brauchte einen neuen Drink! Vielleicht brannte der Schmerz dann ja doch ein bisschen weniger!

Als sie in die Staaten zurück kamen, war Jons Aufruhr nicht mehr so groß gewesen. Freudig hatte er Trisha in die Arme genommen und die wenigen, freien Tage mit ihr verbracht. Überrascht nahm er zur Kenntnis, daß Trisha sehr häufig in seiner Abwesenheit bei seinen Eltern gewesen war. Es schien fast, als wäre sie bereits ein fester Bestandteil seiner Familie geworden! Der Gedanke gefiel ihm nicht so recht, aber er wusste auch nicht, was er dagegen tun konnte. Überhaupt kam es ihm so vor, als wäre Trish reifer geworden. Sie war nicht mehr so spontan und überschwänglich wie früher. Wollte sie früher oft ausgehen oder etwas übernehmen, so drängte sie nun eher auf gemütliche Abende zuhause. Jon kam es nicht ganz ungelegen, denn er war körperlich fertig. Trish bekochte ihn und kümmerte sich um alle Belange seines Haushalts. Sie wusch seine Wäsche, bügelte und kümmerte sich sogar um seinen Garten. Sie traf Verabredungen mit seiner Familie und lud sie zum Essen oder Kaffee ein. Er wusste nicht was er davon halten sollte, denn soviel Fürsorglichkeit hatte er von noch keiner Freundin erhalten. Also nahm er es einfach so hin! An seinem letzten Tag zuhause hatte Trisha eine kleine Abschiedsparty organisiert. Es sollte ein nettes Barbecue im Garten sein und sie hatte Freunde und Familie eingeladen. Seine Bandkumpels kreuzten ebenfalls auf, genauso wie einige seiner Cousins und Cousinen mit ihren Kindern. Er hatte seinem Dad die Herrschaft am Grill überlassen und saß entspannt in einem Liegestuhl. Trisha hatte es sich neben ihm auf einer Decke bequem gemacht und spielte mit der Tochter seiner Cousine. Die 3-jährige hatte offensichtlich eine Menge Spaß und lachte immer wieder fröhlich und herzhaft. Trisha kitzelte die Kleine und rollte lachend mit ihr über die Wiese. Jon grinste breit.
Kurz darauf machte sich die Kleine von Trisha los und lief zu ihren Eltern. Trish kniete neben seinem Stuhl und küsste ihn zärtlich.
„Jodie ist wirklich süß! Warum hast du mir nie von ihr erzählt?“ fragte sie Jon.
„Warum sollte ich? Ich hab sie höchstens zweimal gesehen!“ gab Jon verwundert zu.
Trish schüttelte ungläubig den Kopf.
„Das müssen wir ändern, ich mag die Kleine! Willst du eigentlich mal eigene Kinder haben, Jon?“
Jon stockte einen Moment lang der Atem. Worauf zielte sie ab? Er ließ sich Zeit mit seiner Antwort.
„Irgendwann vielleicht schon. Aber das liegt in weiter Ferne, solange ich noch so erfolgreich unterwegs bin!“
Aufmerksam verfolgte er Trishas Reaktion. So entging ihm nicht, daß ihr Blick eine Spur Enttäuschung zeigte. Ihm wurde unwohl, auch wenn Trisha nichts darauf erwiderte. Ziemlich rasch stand sie auf und mischte sich wieder unter die Gäste. Nachdenklich blickte er ihr hinterher und schrak zusammen als Richie ihn ansprach.
„Was habt ihr zwei denn für Themen? Du bist ja kalkweiß im Gesicht, Buddy!“
Jon wandte sich Richie zu, der sich auf der Wiese niederließ.
„Hör mir bloß auf, Rich! Irgendwie scheint mir Trisha langsam auf einem seltsamen Trip zu sein! Sie hat mich eben gefragt, ob ich Kinder haben will!“
Richie fing an zu lachen.
„Ho, ho, Jon da will dich jemand an die Leine legen! Ich seh dich schon mit der Ehefessel am Finger!“ zog Richie ihn auf.
Jon wehrte mit einer Handbewegung ab.
„Vergiss es! Denk an unser Motto! Bevor wir nicht alle Frauen ausprobiert haben, treffen wir auch keine Wahl!“ Jon lachte herzhaft und Richie fiel mit ein.

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